Asterix, der Gewalttäter?

von Redaktion

In den USA werden Triggerwarnungen entfernt, in Deutschland gibt es immer mehr davon

„Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“: Szene aus „Der Papyrus des Cäsar“, erschienen 2015. © Egmont Ehapa

„Dieses Programm enthält Szenen körperlicher, seelischer oder sexualisierter Gewalt…“ – in der Kulturbranche ist es üblich geworden, vor verstörenden Inhalten zu warnen. In den USA, die dabei immer als Vorreiter galten, scheint es jetzt unter Donald Trump eine Abkehr von diesen sogenannten Triggerwarnungen zu geben. So blendet der Streamingdienst Disney+ keinen „Beipackzettel“ mehr ein vor seinem Zeichentrickklassiker „Dumbo“ (1941), der in Teilen rassistisch anmutet. Auch bei anderen Klassikern wie „Peter Pan“ (1953) oder „Aristocats“ (1970) wurden die Warnungen im Vorspann entfernt.

Wer in Deutschland „Disney+“ im Abonnement hat, findet Hinweise auf „negative Darstellungen und/oder eine nicht korrekte Behandlung von Menschen oder Kulturen“ neuerdings ebenfalls nicht mehr eingeblendet. Als Ersatz gibt es in den Details zum Film nur noch eine kurze Information. Sie lautet: „Dieses Programm wird in seiner ursprünglichen Fassung präsentiert und kann Stereotype oder negative Darstellungen beinhalten.“

Nach dem erneuten Amtsantritt von Donald Trump hat der vom Präsidenten oft als zu woke angefeindete Disney-Konzern seine DEI-Strategie („Diversity, Equity, Inclusion“, auf Deutsch „Vielfalt, Gleichheit, Inklusion“) geändert. DEI-Maßnahmen sollen Personen verschiedener Herkunft oder Geschlechter, aber auch Menschen mit Trauma oder Behinderung einbeziehen. Die Initiativen werden seit Jahren aus Trumps Republikanischer Partei kritisiert.

Der Begriff „Trigger“ stammt aus der Traumatherapie und meint ursprünglich Reize, die unwillkürlich die Erinnerung an ein Trauma auslösen können – oder sogar Flashbacks. Ein Teil des Publikums fühlt sich von den Hinweisen eher belehrt und bevormundet als informiert. Die Gegner wittern Sprech- und Denkverbote, gar eine Beschneidung der Kunst- und Meinungsfreiheit.

Im deutschsprachigen Raum liegen in der Kulturwelt Warnungen vor bestimmten Inhalten im Trend. Beispiel hierfür ist die Ausstellung „Uderzo – Von Asterix bis Zaubertrank“ im Museum für Kommunikation Berlin. „Einzelne Namen und Darstellungen von Figuren können als Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit gelesen werden“, heißt es dort. Gewarnt wird, dass die Schau, die noch bis Juni läuft, „gezeichnete Gewaltdarstellungen und explizite Sprache“ enthalte.

Ist das übertrieben? „Wir glauben, es ist hilfreich für unsere Besuchenden, dass wir Ausstellungsinhalte eingangs kommentieren und einordnen“, sagt Museumschef Dietrich Wolf Fenner. „Diversität ist uns wichtig.“ Auch viele Theater weisen darauf hin, dass es bei bestimmten Aufführungen rassistische Sprache, Sex- und Gewaltdarstellungen auf der Bühne gebe.

Bewegtbildanbieter versehen Material ebenfalls mit Hinweisen. In der ARD-Mediathek steht zum Beispiel bei der satirisch gemeinten Serie „Ein Herz und eine Seele“ aus den Siebzigern, dass es darin Passagen gebe, „die aus heutiger Sicht diskriminierend wirken können“.
GREGOR THOLL

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