Borowski (Axel Milberg) im Reisebüro. © Jander/NDR
Schmeckt nicht, gibt‘s nicht: Robert Frost (August Diehl) wird son seiner Mutter (Corinna Kirchhoff) tyrannisiert. © T. Jander
„Hat es dir geschmeckt, Mutter?“, fragt Robert Frost mit bangem Blick. – „Geht so, kochen konntest du noch nie“, lautet das vernichtende Urteil der Frau Mama, die sich im gediegenen Wohnzimmer vom Servierwagen schiebenden Sohn bedienen lässt und ihrem „Bobbele“ dabei unerbittlich seine Schwächen vorhält. Man muss kein Psychologe sein, um zu ahnen, dass dies die Henkersmahlzeit der fein frisierten Dame sein wird. „Borowski und das Haupt der Medusa“ ist der letzte Fall des Kieler „Tatort“-Kommissars, den Axel Milberg mehr als 20 Jahre lang gespielt hat. Ein gelungener Psychothriller und die finale Verbeugung vor einem Ermittler, der uns auf seinen 44 Verbrecherjagden immer wieder überrascht hat.
So auch in diesem Fall. Ohne jede Sentimentalität lässt sich Klaus Borowski durch die letzten Arbeitstage vor dem Ruhestand treiben. Eine Antwort auf die Frage, wo er künftig hingehört, erhofft er sich eher halbherzig im Reisebüro. Doch beim breiten Angebot für Best Ager verliert er sich in einem Tagtraum, in dem er seiner ehemals großen Liebe begegnet (gespielt von Maren Eggert). Nein, Borowski ist kein Kandidat fürs Weltenbummler-Programm. Lieber gräbt er in bester Trüffelschwein-Manier einen Fall aus, der es in sich hat.
Der brutale Befreiungsschlag des IT-Spezialisten und Muttersöhnchens Robert Frost (großartig August Diehl) und zwei weitere ungeklärte Todesfälle führen Borowski und seine Kollegin Mila Sahin (Almila Bagriacik) ins gediegene und zugleich gruselige Mordhaus. Autor Sascha Arango hat ein virtuoses Drehbuch komponiert, voller feiner grotesker Szenen und mit Dialogen, in denen der Kieler Kommissar seine lakonische Seite zeigen kann. Regisseur Lars Kraume liefert die passenden Bilder zur schaurigen Szenerie. Das Finale kann sich sehen lassen – auch ohne die letzten acht Minuten, die Fernsehkritikern aus Überraschungsgründen vorenthalten wurden.
ASTRID KISTNER