So haben Sie das Volksbad noch nie gesehen: Die Model-Jury mit Heidi Klum, Tom Kaulitz und Bill Kaulitz bei den Dreharbeiten in München. © Pro Sieben/Daniel Graf
Das Müller’sche Volksbad in München ist eines der schönsten Badehäuser Europas. Das 1901 eröffnete Jugendstil-Juwel fasziniert nicht nur Schwimmbegeisterte, sondern dient auch immer wieder als Kulisse für Aufführungen. Jetzt hat es Heidi Klum für ihre Castingshow „Germany‘s Next Top-Model“ entdeckt und die Männer ins Müller‘sche Volksbad gebeten. Diese Folge läuft heute um 20:15 Uhr auf ProSieben. Und die Models zitterten regelrecht…
„Ich erwarte eine Fashion-Show, bei der die Rutsch- und Stolpergefahr erhöht wird“, sagt beispielsweise Model Keanu. Ja, der spektakuläre Walk im historischen Müller’schen Volksbad bringt die Models an ihre Grenzen. „Ich bin schon ein wenig nervös und will wirklich nicht ins Wasser fallen“, gibt John zu. Alex: „Es kann schwierig werden. Wir wissen nicht, wie rutschig es wird.“ Heidi hatte beim Plantschen jedenfalls ihren Spaß – und ihr Gatte Tom mit Bruder Bill sowieso. So viel sei verraten: Die Zwei konnten dem glitzernden Wasser natürlich nicht widerstehen. Und: Zur Abwechslung geht es für die GNTM-Männer später auch ins Münchner Hofbräuhaus. „Ich wollte einfach mal etwas Normales machen, wo wir uns ein wenig besser kennenlernen können“, so Heidi.
Aber was macht eigentlich die Faszination des Bades aus? „Manch einer fühlt sich vom Turm des Volksbades angelockt“, erzählt Badmanager Erich Kühberger über die vielen Touristen unter den Gästen. „Tatsächlich kommen manche Leute und wollen hier beten und sind dann ganz überrascht, dass man im katholischen Bayern, in einer Kirche ein Schwimmbad eingebaut hat.“ Der 60-Jährige arbeitet seit 1985 in Münchens ältestem Schwimmbad. Er kennt es wie kein anderer und gibt auch einmal im Monat Führungen hinter den Kulissen. Er erklärt, dass der Turm ein Wasserturm ist, in dem es oben einen großen Stahlbehälter gibt. Dieser wurde früher mit Wasser gefüllt, unter anderem aus der Quelle der Paulaner-Brauerei am Nockherberg. Es wurde langsam in den Behälter hochgepumpt und zum Beckenfüllen schwungvoll nach unten gelassen. Das ging rascher als nur über die Wasserleitung. Bis in die 30er-Jahre war das so. Zu dieser Zeit gab es noch kein Chlor als Desinfektionsmittel. Deshalb musste das Wasser häufiger gewechselt werden. „Einen Tag vor der Entleerung gab es immer einen Sondertarif, weil das Wasser dann so unansehnlich war, dass zum normalen Preis keiner mehr reingehen wollte“, sagt Kühberger. Die Badewärter passten auf, dass keiner mit dem Kopf unter Wasser geht, damit sich niemand eine Bindehautentzündung holte. Heutzutage werden die beiden Becken in den Sommermonaten entleert, gereinigt und wieder gefüllt. Vier Tage dauert es, bis das Becken der kleinen Schwimmhalle, mit seinen 18 Metern Länge und elf Metern Breite, das anno dazumal den Damen vorbehalten war, und das 31 Meter lange Becken der ehemaligen Herren-Schwimmhalle gefüllt sind. Die wundersamen Längen kommen übrigens von der alten Einheit, als man 100 bayerische Fuß als Maßeinheit genommen hatte.
Während die Männer beim Militär schwimmen gelernt hätten, sei es für Frauen in den Anfangsjahren des Bades sehr exotisch gewesen und auch ein bisschen anrüchig, Haut zu zeigen. Deshalb gab es separate Becken für Frauen und Männer. Erst in den 70ern wurde die Geschlechtertrennung aufgehoben. Heutzutage ist es lediglich vorgeschrieben, die primären Geschlechtsteile zu bedecken – oben ohne ist erlaubt. Auch für den Kopf. Bis in die 70er mussten Damen Badekappen tragen. Die damaligen Filteranlagen verstopften leicht durch lange Haare.
Im Untergeschoss befindet sich moderne Technik. Das ehemalige Hundebad dort dient als Lagerraum. Vier moderne Wannen- und fünf Brausebäder gibt es noch unten. Kaum mehr als zwei Besucher wöchentlich nutzen das aber. Das war anders zu der Zeit, als Ingenieur Karl Müller der Stadt rund eine Million Goldmark spendete für ein Bad zugunsten des „unbemittelten Volkes“. Damals waren Bäder daheim rar. Rund eine Million Besucher hatte das Volksbad bereits 1907 jährlich bei rund 300 000 Einwohnern in München. Sie mussten sich gedulden, bis ein Platz im Schwimmbecken oder im Wannenbad frei wurde. Damals gab es noch keine moderne Zeiterfassung. Die Badewärter mussten regelmäßig die Finger anschauen. „Wenn sie sich so gewellt haben, wie man es kennt, wenn man zu Hause eine Stunde in der Badewanne liegt, dann hat es geheißen. So, du kannst da raus und der nächste kann reingehen.“
MARION BRUCKER