Viel zeigen, wenig sagen: Schauspieler Peter Kurth als Gangster Badal Sarkissian in der Netflix-Serie „Totenfrau“. © Netflix
Bis er Anfang 40 war, konnte das Publikum Peter Kurth in erster Linie auf Theaterbühnen erleben. Erst spät in seiner Karriere fand er den Weg ins Fernsehen, ist dort seitdem aber regelmäßig in erfolgreichen Produktionen zu sehen. Im Jahr 2022 spielte der 67-Jährige in der ersten Staffel der Netflix-Serie „Totenfrau“ mit, deren Hauptfigur von der Bestattungsunternehmerin zum Racheengel wird. Jetzt ist die Romanverfilmung in die zweite Staffel gegangen – und Kurth ist als Gangster Badal Sarkissian wieder mit von der Partie. Genau wie in seiner Rolle verliert der Mecklenburger nur das Nötigste an Worten – eine Konstante in seinem künstlerischen Schaffen.
Gibt es etwas, das Ihre Rollen miteinander verbindet, eine Art roter Faden?
Auf jeden Fall ich selbst. Als junger Mensch wollte ich so weit weg wie möglich von mir agieren, habe im Lauf der Zeit aber gelernt, dass die Zuschauer Kontinuität schätzen. Je weiter ich mich von mir als Darsteller wegbewege, desto eher haben sie das Gefühl, dass ich ihnen nur etwas vorspiele.
Ihrem Gangster Badal Sarkissian in der „Totenfrau“ ist ein unverwüstlicher Gleichmut eigen. Ist das nur seine Mentalität oder ein bisschen auch Ihre?
Wir Mecklenburger reden ja nicht so viel, und schon gar nicht zu viel. Unsere Mentalität besteht darin, so wenig wie möglich zu zeigen und dennoch genug auszusagen. Diese Form der Ausdrucksmöglichkeit suche ich auch für meine Figuren.
Sind Sie ein recherchierender Schauspieler, der seine Figuren bis ins kleinste Detail begreifen will, um sie begreiflich zu machen?
Das bin ich.
Nehmen Sie Ihre Rollen nach Drehschluss mit nach Hause oder legen Sie sie an der Garderobe ab?
Garderobe, ganz klar.
Selbst einen Charakter wie den kranken Ex-Boxer Herbert, den Sie mit Haut und Haaren verkörpert haben?
Da war es in der Tat schwierig, schon weil ich mich für ihn auch körperlich stark verändern musste. Aber selbst da war es mir wichtig, mein privates Umfeld damit in Ruhe zu lassen und irgendwann klar zu sagen, dass der jetzt draußen bleibt. Was erzählt mir denn sonst meine Frau, wenn sie nicht mich, sondern Herbert im Haus hat? (Lacht.)
Ist das immer gleich leicht?
Schön wär‘s! Beim zweiten „Polizeiruf“ zum Beispiel, als es um die Tötung eines Mädchens ging, muss man als jemand wie ich, der nicht nur Vater, sondern Großvater ist, völlig klar im Kopf werden, um das abzustreifen.
Ihre Frau Susanne Böwe ist schon lange im Fernsehgeschäft, während Sie ein Spätberufener sind. Wie kam es dazu, erst mit Anfang 40, dann aber ohne Unterlass, Filme zu machen?
Ich hatte 1988 gerade ein festes Engagement in Karl-Marx-Stadt angenommen, und als daraus Chemnitz wurde, wollte ich in dieser völlig neuen Zeit erst noch ganz neue Ausdrucksformen auf der Bühne finden. Das hat mich damals voll eingenommen, aber auch aus mir gemacht, was heute den roten Faden bildet. Als mein „Liliom“ Anfang der Nullerjahre am Hamburger Thalia große Aufmerksamkeit gefunden hatte, kamen dann aber nach langer Zeit plötzlich wieder Filmleute ans Theater, um Schauspieler zu finden.
Das war zuvor anders?
Seit den Siebzigern, als Regisseure den Bühnensound vom Bildschirm verbannt haben – was ich seinerzeit gut fand. Im neuen Jahrtausend herrschte aber auch am Theater ein Tonfall, der sich für Film und Fernsehen eignet, wo wieder mehr traditionelles Schauspielhandwerk gesucht wurde.
Auf der Bühne stehen Sie seither aber kaum noch, oder?
Selten. Ich wollte mich wirklich ganz bewusst aufs Filmen konzentrieren.