Angespannte Lage: die Ermittler Tobler (Eva Löbau) und Berg (Hans-Jochen Wagner). © Linder/SWR
Der Beginn ist vielversprechend – und nichts für Menschen mit einem Hang zur Klaustrophobie. In einer bummsvollen Gondel möchte ein Pärchen das Fenster öffnen. Es ist Sommer, die sengende Hitze steht allen Fahrgästen ins Gesicht geschrieben, macht aber vor allem der Frau zu schaffen, denn sie ist hochschwanger. Ein Mann allerdings schließt das Fenster wieder, ohne etwas zu sagen. So geht das weiter. Fenster auf, Fenster zu. Ein Kleinkrieg – der eskaliert, als die Schwangere, so aggressiv wie panisch, mit dem Nothammer die Glasfront der Gondel einschlägt, dabei ins Gerangel mit dem Fenster-zu!-Mann gerät, der fällt um und liegt tot auf dem Boden.
Man hat schlechtere Auftaktminuten in einem „Tatort“ gesehen. Was allerdings im weiteren Verlauf dieses Krimis aus dem Schwarzwald passiert, ist einfach nur hanebüchen.
Kaum, dass die Gondel an der Talstation angekommen ist, braust das Pärchen davon. Nina (Pina Bergemann) und Sven (Benjamin Lillie) fahren kurz in die Klinik, sie, immer noch außer sich, bekommt eine Beruhigungspille von einem befreundeten Arzt – dann fliehen die beiden in den Wald. Während sich die Kommissare Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) mit einem kleinen Stab an Kollegen (Personalnot!) an die Arbeit machen, sehen wir den Tatverdächtigen auf der Flucht beim Pinkeln, Vögeln und Streiten zu. Nun gut.
Zwei dramaturgische Kniffe sollen dem Ganzen dann wohl Spannung verleihen: Zum einen wird ein Bub als vermisst gemeldet, den Tobler kurz zuvor in jenem Waldstück gesehen hat, in dem sich das Pärchen verschanzt hat. Und dann stellt sich heraus, dass Nina an einem Hirntumor leidet, der sie unter Stress unberechenbar und gewalttätig macht.
Leider lässt Christina Ebelt, die für Buch und Regie verantwortlich zeichnet, ihre Protagonisten – Täter wie Ermittler – derart unglaubwürdig agieren, dass man sich ärgern muss über manche Szene. Etwa wenn Tobler nachts allein (!) zur Hütte fährt, in der sie das Pärchen vermutet. Oder wenn sich Nina und Sven trotz Polizei-Aufgebot später zunächst unbemerkt in jener Hütte verstecken können. Und Eltern, die einigermaßen bei Trost sind, würden sich wohl auch nicht einem Bürgeraufstand anschließen („Wir haben Angst vor der Irren aus dem Wald“), während ihr Sohn im Krankenhaus ums Überleben kämpft. „Die große Angst“ ist der Titel des „Tatorts“. Angst und bange wird einem eher, wenn man nach diesem Film an die Zukunft des Ermittler-Duos aus dem Schwarzwald denkt.
THY