Bibi und Moritz sagen Servus

von Redaktion

Wiener „Tatort“-Duo macht Schluss – noch vier Fälle bis Ende 2026

Glänzend: Simon Schwarz als Inkasso-Heinzi. © ORF/ARD

Im Nachhinein weiß man‘s natürlich besser. Glaubt, in der wunderbar zarten „Tatort“-Szene vom Sonntag schon leise Töne des Abschieds herausgehört zu haben. Dass er sie nicht verlieren wolle, sagt der Wiener Ermittler Moritz Eisner da zu seiner Partnerin. „Wie kommst du drauf, dass du mich verlierst?“, will die Bibi wissen. „Moritz, wir sind wir. Wir brauchen doch keine Leiche am Boden, um wir zu sein – egal wo wir hingehen.“ Jetzt ist klar: Die Wege von Harald Krassnitzer (64) und Adele Neuhauser (66) trennen sich Ende 2026. Damit quittiert eines der dienstältesten Duos den Dienst.

Das Ende der Ermittler-Ära erfolge auf eigenen Wunsch, erklären die beiden in einer Mitteilung des ORF. Noch viermal werden Bibi Fellner und Moritz Eisner, die seit 14 Jahren durch dick und dünn gehen, am Sonntagabend zu sehen sein. Ein herber Verlust für die ARD-Reihe, die von der feinen Mischung aus authentischen Geschichten und Wiener Schmäh immer profitiert hat. Dabei fällt auch dem „Tatort“-Traumpaar der Abschied nicht leicht. „Es war eine sehr gute, sehr spannende, sehr kreative Zeit mit Adele, mit Bibi und Moritz“, sagt Krassnitzer. „Jetzt ist es der richtige Zeitpunkt, dass wir uns verabschieden. Besser wird es nicht mehr!“

Es sei ein gutes Gefühl, das alles selbstbestimmt entscheiden zu können, sagt Adele Neuhauser, für die „die Jahre wie im Flug“ vergangen sind. „Ich möchte keine Sekunde davon missen. Aber wenn es am schönsten ist, ist es Zeit für neue Abenteuer.“ Was bleibt, sind 34 gemeinsam gelöste Fälle und eine tiefe private Freundschaft, die die beiden Schauspieler verbindet.

Krassnitzer ist als Oberstleutnant Eisner seit rund 25 Jahren beim „Tatort“ dabei. Der grüblerische Ermittler, der im Zweifelsfall seiner Nase mindestens so vertraut wie modernen Spuren-Analysen, sollte irgendwann nicht mehr als „lonesome cowboy“ – so die ARD über die Figur – unterwegs sein. Die Macher beim ORF setzten eine Frau als weitere Protagonistin hinzu. Und Majorin Bibi Fellner wurde dramaturgisch zu einem wertvollen Gegenpart: Die trockene Alkoholikerin hatte immer wieder psychische Probleme und manchmal einen Hang zum Starrsinn. Die Zusammenarbeit von Eisner und Fellner hätte auch richtig schiefgehen können, aber die Drehbücher waren gnädig. Viele feine Szenen und Dialoge zwischen den beiden garnierten fortan die Handlung. Die 2013 ausgestrahlte Wiener „Tatort“-Folge „Angezählt“ wurde sogar mit dem renommierten Grimme-Preis ausgezeichnet.

Wer die beiden Ermittler in Wien beerben wird, steht noch nicht fest. Die Latte liegt für die künftigen Kommissare jedenfalls hoch. Chemie und Zusammenspiel von Neuhauser und Krassnitzer seien „einzigartig“, sagt ORF-Programmchefin Stefanie Groiss-Horowitz. Die beiden hätten dem Fernsehpublikum „unzählige unvergessliche Momente geschenkt“ und dem „Tatort“ einen besonderen „Spin“ gegeben.

Zwei weitere Krimis aus Wien sind bereits abgedreht. Sie werden 2025 im Ersten zu sehen sein. Dann folgen die beiden finalen Fälle. Und dann? „Ist es Zeit für den nächsten Lebenszyklus“, sagt Krassnitzer. Die Bibi, oder besser gesagt die Adele, verliert er ja eh nicht. Freunde sind sie auch ohne Leiche am Boden.
ASTRID KISTNER

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