Lebt in Wiesbaden: Dieter Kürten. © Dedert/dpa
Gute Interviews: Dieter Kürten (li.), hier mit Karl-Heinz Rummenigge. © Witters
Die Älteren unter uns erinnern sich: Dieter Kürten war viele Jahre eines der bekanntesten Gesichter der ZDF-Sportberichterstattung. Heute feiert er seinen 90. Geburtstag – und der Mainzer Sender würdigt die Lebensleistung des Moderators: Dieter Kürten habe beim ,aktuellen Sportstudio‘ und darüber hinaus Maßstäbe gesetzt. Das Format sei „wesentlich durch ihn zu der Marke geworden, die wir heute verlässlich pflegen und gezielt modernisieren“, sagte Sportchef Yorck Polus.
Kürten, gebürtiger Duisburger, kam Anfang der Sechzigerjahre zum Fernsehen und berichtete von zahlreichen sportlichen Großereignissen. Von 1967 bis 2000 führte er durch 375 „Sportstudio“-Ausgaben, bis heute ein unerreichter Rekord. Zu den legendären Fernsehmomenten, die Kürten und seine Gäste dem Publikum bescherten, gehörte ein zielgenauer Schuss von Franz Beckenbauer auf die Torwand 1994. Der Kaiser traf – nachdem er zuvor den Ball auf einem Weißbierglas platziert hatte. „Dem Mann glückt alles“, kommentierte Kürten. 1971 kam Tarzan-Darsteller Johnny Weissmüller auf einen Sprung im „Sportstudio“ vorbei, gemeinsam mit seiner Frau Maria. Die Macher in Mainz buchten der Atmosphäre halber noch einen Schimpansen dazu. Porgy zog vor laufenden Kameras nicht nur Maria die Perücke vom Kopf, sondern soll Weissmüller auch „von oben bis unten bepinkelt“ haben.
In den Augen seiner Fans bestach Kürten immer durch eine lässig-elegante und unaufgeregte Art. Seine Kritiker warfen ihm mitunter Harmlosigkeit vor. „Menschen, die ins ‚Sportstudio‘ kamen, habe ich versucht, als Gäste zu behandeln“, umschrieb der Moderator einmal seine Haltung. Heute lebt Kürten in Wiesbaden und bleibt auch im Ruhestand auf Ballhöhe. Auf die Frage, was er von der Kommerzialisierung im Fußball halte, antwortete er in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): „Ich bin gelernter Speditionskaufmann, habe also mit Kommerz kein Problem. Natürlich schmecken auch mir gewisse Auswüchse nicht. Andererseits: Wer mitmischen möchte im großen Geschäft, muss geschäftsfähig sein und die geeigneten Führer der Geschäfte haben.“ Ein „gewisses Maß an Fußballsachverstand“ könne dabei sicher nicht schaden.
JOACHIM HEINZ