Passionierter Schachspieler: Pathologe Dr. Matthias Steinbrecher (Robert Joseph Bartl) starb im gestrigen „Tatort“ einen dramatischen Filmtod. Über zehn Jahre gehörte er zum Team des BR-„Tatorts“ © BR
Er hat aus seiner eher kleinen Rolle immer etwas Größeres gemacht: Seit 2014 spielte Robert Joseph Bartl den Gerichtsmedi- ziner Dr. Matthias Steinbrecher im Münchner „Tatort“ – doch damit ist nun Schluss. Gestern Abend starb er einen dramatischen Filmtod. Gerade noch hatte der Pathologe dem Schachspieler Theodore Boyle (Max Befort) das Leben gerettet, indem er ihn davor bewahrte, ein vergiftetes Medikament einzunehmen – da erwischte es ihn selbst. Das Gift gelangte an seine Hände, und als Arzt wusste Steinbrecher natürlich, dass er binnen Sekunden elendig sterben würde. Bartl spielt diese Szene einfach großartig. Wir sprachen mit dem 52-jährigen Bayern über sein Ende im BR-Sonntagskrimi.
Das war eine Szene voller Dramatik, mit der Sie sich aus dem „Tatort“ verabschiedet haben. Ihr Dr. Steinbrecher verreckt, anders kann man es nicht sagen. Wie hat sich das angefühlt beim Spielen?
Es war eine sehr intensive Arbeit, das kann man sagen. Aber zwischen der wunderbaren Regisseurin Nina Vukovic, die ich vorher nicht kannte, und mir gab es von Anfang an ein tiefes Vertrauen. Dass es ein gutes Verhältnis gibt zwischen dem, der zuschaut, und dem, der sein Herzkastl aufmacht, ist sehr wichtig. Wenn man spürt, dass einem ein liebevoller, neugieriger, behutsamer Blick zuguckt, dann gelingt es einem sehr viel besser, etwas preiszugeben und so eine intime Szene zu spielen. Ich wusste, ich kann mich fallen lassen.
Warum steigen Sie überhaupt aus?
Das Kapitel Batic und Leitmayr geht ja zu Ende – und damit auch meine Arbeit als Kollege der beiden. Ich freue mich darüber, über zehn Jahre lang Teil des Münchner „Tatorts“ gewesen zu sein und habe auch eine gewisse Farbe in die Filme gebracht, denke ich, vor allem habe ich das Bairische gepflegt, ich bin ja „native speaker“.
Sie hätten auch mit Batic und Leitmayr nach deren 100. Folge sozusagen einfach mitgehen können.
Ja, das stimmt. Dass meine Zeit beim „Tatort“ nun etwas früher, aber dafür sehr prominent, mit einer eigenen Geschichte zu Ende geht, freut mich sehr. Dafür bin ich dem zuständigen Redakteur Cornelius Conrad dankbar – zumal wir in Elmau gedreht haben, wo ich als Kind schon viel gewesen bin. Ich bin ja gebürtig aus Garmisch.
Konnten Sie eigentlich immer gut Leichen sehen? Auch wenn es keine echten sind – die sehen ja schon recht realistisch aus.
Tatsächlich habe ich über die Frage gar nicht nachgedacht, als mir damals die Rolle angeboten wurde. Vor allem habe ich nicht gewusst, dass unsere Szenen in einer Original-Pathologie gedreht werden: in der Nußbaumstraße oder in Schwabing. Da habe ich dann ab und zu auch echte Leichen gesehen. Es ging ganz gut, irgendwann hatte ich mich dran gewöhnt. Anders als manche Regisseure übrigens, die tote Menschen nicht gut sehen können. Die lassen sich in den entsprechenden Szenen dann von den Assistenten vertreten. Das Einzige, was ich vermieden habe in all den Jahren, das war, auf die Knochensäge zu schauen. Die habe ich versucht, nonchalant zu ignorieren. (Lacht.)
Wenn Sie zurückblicken – was war diese Rolle als Pathologe für Sie persönlich? Eine nette Nebenbeschäftigung, Sie spielen ja viel Theater, oder ist eine durchgängige Rolle im „Tatort“ immer mehr?
Ja, der „Tatort“ ist immer etwas Besonderes. Eine fixe Rolle in diesem Format habe ich immer als Auszeichnung begriffen. Und nett, wie Sie sagen, war es für mich überhaupt nie – das war es vielleicht für die beiden Kommissare.
Wie meinen Sie das?
Na ja, Udo und Miro oder besser gesagt: Leitmayr und Batic sind morgens in „meinen“ Seziersaal gekommen und haben gefragt: „Und, Doc, wie schaut’s aus?“ Ich hingegen musste seitenweise lateinische Fachbegriffe und medizinisches Vokabular runterbeten – und das ist eine wirkliche Herausforderung! (Lacht.) Mir hat es insgesamt aber wahnsinnig viel Freude bereitet – übrigens auch deshalb, weil wir uns als Team so gut verstanden haben. Wir haben uns immer aufeinander gefreut. Auch wenn die zwei nun aufhören – unsere Freundschaft bleibt.