So hart treffen uns Trumps Zölle

von Redaktion

Constantin-Chef Oliver Berben über US-Pläne für die Filmbranche

Chef der Constantin: Oliver Berben. © Britta Pedersen/dpa

Erfolg aus dem Hause Constantin: „Resident Evil“ mit US-Star Milla Jovovich. Muss die deutsche Produktionsfirma für solche Filme bald mehr bezahlen? © Constantin Film

Wenn er das, was gerade in den USA passiert, als Spielfilm erzählen würde, „dann würden Sie als Journalistin aber kritisieren, dass es jetzt doch ein bisschen unrealistisch wird“, meint Oliver Berben lachend. Den Galgenhumor lässt sich der immer optimistische Chef der Münchner Constantin nicht nehmen. Auch wenn die Lage gerade alles andere als lustig ist. Wie berichtet, hat US-Präsident Donald Trump Zölle in Höhe von 100 Prozent auf außerhalb der USA produzierte Filme angekündigt. „Whatever that is“, meint Berben trocken. Denn was Zölle auf Filme genau bedeuten soll, darüber rätselt die ganze Branche . „Zölle erhebt man auf Waren. Filme sind keine Waren, sondern geistiges Eigentum, das mit Zuschauerinnen und Zuschauern geteilt wird.“

Doch gesetzt den Fall, es käme so, dass im Ausland produzierte Filme, die in die USA importiert werden, oder US-Produktionen, die im Ausland gedreht werden, künftig mit Extrakosten belegt werden, würde das für eine Firma wie die Constantin richtig teuer werden. Denn: „Wir sind das einzige deutsche Unternehmen, das auch in den USA für den US-amerikanischen Markt produziert.“ Rund 30 Prozent der Filme und Serien, die die Constantin produziert, wären betroffen. Im Herbst beispielsweise stehe der Dreh für den neuen Teil der erfolgreichen „Resident Evil“-Reihe an. „Da müssen wir uns jetzt genau überlegen, wo wir ihn herstellen werden.“ In diesem Jahr wird die Constantin 75, für sämtliche Werke, die in all den Jahren entstanden sind, verkauft sie nach wie vor Lizenzen. „Wenn auch auf Lizenzierungen künftig Zölle berechnet werden, würde uns das finanziell extrem treffen.“

Und doch gibt Oliver Berben Donald Trump im Grundsatz Recht. „In den USA ist es wie in Deutschland: Weil das Drehen dort seit Jahren immer teurer wird, wandern die großen Produktionen in günstigere Länder ab. Der Großteil der US-amerikanischen Filme entsteht in Kanada – und als Deutsche weichen wir nach Tschechien oder Kroatien aus. ,Der Untergang‘ oder ,Hotel Adlon‘ beispielsweise wurden komplett außerhalb Deutschlands gedreht.“ Ein Zustand, der sich ändern müsse. Denn die Filmbranche ist ja nicht bloß Unterhaltung – sie ist eine Unterhaltungsindustrie. Und damit ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. „Hier muss auch die Politik umdenken. Und verstehen: Wer die Filmbranche unterstützt, betreibt keine Subventionierung. Jeder Euro, der in den Filmstandort Deutschland investiert wird, kommt doppelt und dreifach zurück. Das zahlt direkt aufs Bruttoinlandsprodukt ein.“ Denn wo eine Crew ihr Set aufbaut, wird nicht nur gedreht. Da werden Caterer benötigt, Fahrer und technisches Equipment, Hotels für die Schauspielerinnen und Schauspieler und Leute hinter den Kulissen. Die gehen nach dem Drehtag auch mal in die Bar. Und ganz nebenbei sorgt die ins rechte Licht gerückte Heimat für mehr Tourismus. Die „Rosenheim-Cops“ oder die EberhoferKrimis machen vielen Fans Lust auf Urlaub in der Region.

Seit drei Jahren verhandelt Oliver Berben mit den politischen Entscheidungsträgern darüber, wie Deutschland als Dreh-Standort wieder attraktiver wird. „Es gibt verschiedene Modelle. Neben der klassischen Filmförderung, wie sie der Freistaat Bayern beispielsweise vorbildlich mit dem FilmFernsehFonds betreibt, könnte man allen, die im eigenen Land drehen, dafür mit steuerlichen Vergünstigungen entgegenkommen.“ In Frankreich sei es außerdem üblich, dass ausländische Produktionsfirmen, die beim Dreh ja die inländische Infrastruktur nutzen, dafür einen bestimmten Betrag ihres Gewinnes zurückzahlen müssen.

Doch nicht alles könne man in einer Branche, in der es in der Tat sehr viel um Geld geht, auf den finanziellen Aspekt reduzieren. „Was Donald Trump ja total übersieht, ist, dass es auch inhaltliche Gründe dafür gibt, außerhalb der USA zu drehen. Weil manche Geschichten es brauchen, an bestimmten Orten erzählt zu werden. Wenn Sie ,Emily in Paris‘ drehen, dann geht das eben nicht in Texas.“
KATJA KRAFT

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