Huor freut sich über das ESC-Engagement in seiner Schweizer Heimat. © Privat/pop-out
Begnadeter Tänzer und kreativer Kopf: der Schweizer Jonathan Huor lässt sich einiges für die Eröffnungsfeier des ESC einfallen. © pop-out
Musical-Fans muss man Jonathan Huor nicht mehr groß vorstellen. Bereits zum dritten Mal durfte sich der gefragte Schweizer Choreograf in der vergangenen Saison für „Ku’damm 59“ über den renommierten Deutschen Musicaltheaterpreis freuen. Und auch der Rest der Welt wird bald sehen, was seine Bewegungssprache so besonders macht. Denn wenn in der kommenden Woche der „Eurovision Song Contest“ wieder über Millionen von Bildschirmen flimmert, wird er unter anderem für die große Eröffnungsnummer verantwortlich zeichnen.
Eine Herausforderung, die selbst einem so erfahrenen Mann wie ihm Respekt abnötigt. Gleichzeitig ist es für Jonathan Huor aber natürlich auch eine unglaubliche Ehre, seine Heimat nun bei diesem prestigeträchtigen Event ins beste Licht zu rücken. Für den gelernten Tänzer, der seine Ausbildung in der Schweiz und Frankreich absolvierte, bevor er sich in London und New York den letzten Schliff holte, sind die drei Final-Shows quasi eine Rückkehr zu den Wurzeln. „Nach meinen Anfängen am Theater habe ich schon einmal fürs Fernsehen gearbeitet. Ich war Dance Captain, dann Associate Choreographer und irgendwann kamen dann die ersten eigenen Choreografien.“ So unter anderem auch für den Fifa World Congress oder die Youth Olympics. Trotz dieser soliden Basis ist die Arbeit für den ESC nun aber natürlich noch einmal eine ganz andere Liga. „Das lässt sich mit nichts vergleichen, das ich bisher gemacht habe. Es ist keine normale Bühnenshow, bei der man nur nach vorn in die Halle spielt. Man muss immer das Publikum an den Bildschirmen mitdenken. Ich durfte deshalb sogar extra ein spezielles Schnittprogramm lernen, weil wir im choreografischen Team auch für den Bildschnitt mitverantwortlich sind und man von Anfang an die Kamerapositionen und Close-ups im Hinterkopf haben muss.“
Was genau auf der Bühne in Basel zu sehen sein wird, darüber darf Jonathan Huor im Vorfeld natürlich noch nichts verraten. Bis zum ersten Semi-Finale am 13. Mai ist hier alles topsecret! Nur eines kann er bereits versprechen, es wird spektakulär! Weit über 1000 Tänzerinnen und Tänzer hatten sich beworben, aus denen am Ende rund 150 ausgewählt wurden. „Die Leute, die wir gecastet haben, sind die absolute Crème de la Crème und ein Traum in der Zusammenarbeit.“
Und mindestens ebenso ins Schwärmen gerät Huor auch, als das Gespräch auf Creative Director Sacha Jean-Baptiste kommt, die er bei den Vorbereitungen auf die große Show kennenlernte. Die Schwedin ist ein echter ESC-Profi und hat seit 2011 selbst unzählige nationale Beiträge inszeniert. „Es ist einfach unglaublich, dass ich diesen Job machen darf. Gerade die Eröffnungsnummer ist ja eine enorme Verantwortung, weil es der erste Eindruck ist, den das Publikum bekommt. Ich bin Sacha so dankbar, dass sie mir dieses Vertrauen geschenkt hat.“
Die Begegnung mit Jean-Baptiste bezeichnet Huor immer wieder als großes Geschenk. „Ich glaube, das Schicksal wollte, dass wir uns begegnen. Ursprünglich hätte ich nur die Auditions betreuen sollen, aber anscheinend hat es ihr gefallen, wie ich im Probenraum mit den Leuten arbeite. Und dann hat sie mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mehr Aufgaben zu übernehmen.“
Sein eigener Sprung vom Tänzer zum Choreografen war ursprünglich nicht geplant, aber letztlich eine ganz natürliche Entwicklung. „Und dadurch, dass ich immer noch viele Workshops gebe und unterrichte, fehlt mir die Bewegung zum Glück nicht.“ Jonathan Huor ist ein Perfektionist, der auch bei den Proben in Basel immer mittendrin im Geschehen ist und jede Minute nutzt, um an Details zu feilen. „Es ist trotzdem gut, dass es nur eine begrenzte Zeit ist und ich danach wieder in meine Musicalwelt zurückdarf. Wobei ich es schon genieße, nach so vielen Produktionen in Österreich und Deutschland endlich mal wieder daheim in der Schweiz zu arbeiten. Da habe ich zur Abwechslung tatsächlich ein fast normales Leben, bei dem ich abends nach der Probe eventuell auch mal Freunde treffen kann.“ Für die emotionale Rückendeckung bei der großen Show sollte also bestens gesorgt sein.
TOBIAS HELL