Bei den Proben: Helmut Schleich zeichnet seine neue Sendung in der Kneipe Rheinpfalz auf. © Bendixen/CMP
„Helmut schleicht sich“ – so lautete die Überschrift in unserer Zeitung, als Helmut Schleich vor ziemlich genau anderthalb Jahren seine Sendung im BR Fernsehen aufgab. Es klang nach einem echten Abschied vom TV damals, doch nun kommt der Kabarettist mit voller Wucht zurück: An diesem Donnerstag startet „Schleich pur!“ im Dritten. Wie es dazu kam und warum der gebürtige Schongauer wieder Freude an einem Format hat, erzählt der 57-Jährige im Gespräch.
In der Pressemitteilung zu Ihrem TV-Comeback steht: „Helmut Schleich ist wieder da! Er war nie weg.“ Welcher Satz trifft Ihre persönliche Gefühlslage?
Beide, wenn ich ehrlich bin. Ich war insofern nie weg, als ich meine Freitagskolumne im Radio auf Bayern 2 immer weiter bediene, so wie ich es am Samstag bei Ihnen in der Zeitung mit großer Freude tue. Der Satz „Helmut Schleich ist wieder da“ stimmt aber auch, weil ich im November 2023 ja mit dem Fernsehen aufgehört hatte. In der damaligen Konstellation und unter den damaligen Bedingungen sah ich keinen Weg mehr, der mir ein Weitermachen ermöglicht hätte – jedenfalls nicht unter Erhaltung meiner seelischen und geistigen Gesundheit.
Das klingt dramatisch. Was war so schlimm?
Es war mühsam. Ich sage Ihnen ein Beispiel: Über eine Ricarda-Lang-Nummer musste ich zwei Stunden diskutieren. Über eine Söder-Pointe keine zehn Sekunden. Ich hatte das Gefühl, die ganze Sache kriegt eine grüne Schlagseite, was mir nicht gefallen hat. Also habe ich gesagt: Dann halt nicht, ich bin Mitte 50 und lasse mich nicht mehr unter Druck setzen wie vielleicht ein 30-Jähriger. Ich habe ja immer noch mein Bühnenprogramm, schreibe mit Freuden die Kolumnen, sollen es im Fernsehen andere machen – das war meine Haltung damals.
Und jetzt hat sich was verändert?
Ja, es hat sich viel verändert im BR. Ich arbeite jetzt mit Leuten, die ich mir gewünscht habe. Ich habe einen neuen Produzenten, Uwe Bendixen und seine CMP Media, der ist enorm kompetent, zugewandt und engagiert. Ich habe ein super Team von der Regie bis zur Kamera – das macht alles großen Spaß mit den Kollegen. Reinsten Herzens kann ich sagen: Ich freue mich sehr auf die neue Sendung und vor allem darüber, dass der BR und ich noch einmal zueinander gefunden haben.
Wer ist denn da auf wen zugegangen?
Der BR auf mich, im vergangenen Herbst, und das rechne ich ihm sehr hoch an.
Die Sendung heißt jetzt „Schleich pur!“ – was ist der Unterschied zu „SchleichFernsehen“?
„Schleich pur!“ ist mehr Helmut Schleich und weniger Figuren. Das ist wohl der größte Unterschied. Es ist ein sehr aktuelles Programm, aber wir bedienen uns auch aus dem Archiv von 85 Folgen „SchleichFernsehen“ und zeigen die besten Einspielfilme. Donald Trump aus dem ersten Wahlkampf zum Beispiel. Oder Markus Söder, der sich von König Ludwig beraten lässt, wie man unsterblich werden kann, jedenfalls in den Köpfen der Menschen. Diese Nummern sind zum Teil zehn Jahre alt, aber funktionieren immer noch. Das macht ein paar Minuten Sendezeit aus – der Rest ist frisch und aktuell geschrieben.
Zwei Ausgaben pro Jahr sind seitens des BR angekündigt – warum so wenig?
Das hat mit der kurzfristigen Planung zu tun. Wir haben uns erst im vergangenen November auf die neue Sendung geeinigt. Da waren heuer mehr Ausgaben nicht drin, aber das ist für mich vollkommen in Ordnung. Ich muss ja auch erst einmal schauen, wie das läuft.
2026 könnte es aus Ihrer Sicht aber eine höhere Schlagzahl geben?
Ja, darüber werden wir sicher bald reden. Vier, fünf Ausgaben pro Jahr wären eine gute Anzahl, denke ich. Mehr wäre mir zu viel. Meine künstlerische Heimat ist die Bühne. Und das soll sie auch bleiben.
Kabarettisten sind ja schon auch angewiesen auf das politische Personal. Macht die neue Regierung es Ihnen leichter oder war die alte dankbarer?
Zu parodieren sind sie alle nicht leicht. An der Parodie Scholz haben sich alle die Zähne ausgebissen, und auf der Parodie Merz sitzt der Kollege Max Uthoff perfekt drauf. Den brauch ich mit meinen 100 Kilo nicht parodieren. (Lacht.)
Sie bleiben Ihrer Paraderolle Franz Josef Strauß treu?
So würde ich sagen, ja. (Lacht.) Dieses Format stirbt ja in Bayern auch zunehmend aus. Insgesamt kann ich aber schon resümieren, dass die Ampel-Jahre aus kabarettistischer Sicht sehr gute Jahre waren.
„Schleich pur!“
startet am Donnerstag um 21 Uhr im BR Fernsehen