Längst verblasster Ruhm: Florian Lukas als „Messiah Superstar“. © Thomas Mikule
Als Messiah Superstar war Thomas Janowski (Florian Lukas) mit dem Hit „XTC“ im Jahr 1996 in den Charts. Damals kreischten die Mädchen noch, wenn er auftrat, und bettelten um Autogramme. Fotos zeigen ihn mit Promis wie Otto Waalkes und DJ Bobo. Und heute? Heute tritt Thomas im schäbigen Lokal seiner Mutter in Berlin-Wedding auf und plant eine Revivalparty. Die 142 Facebook-Zusagen hat allerdings alle sein Manager und größter Fan Leon (Jonas Nay) gefälscht.
„Messiah Superstar“ heißt auch die Serie, die heute um 22.20 Uhr bei Sat.1 anläuft. Der Achtteiler ist im Stil einer Mockumentary, also einer Pseudo-Dokumentation, gedreht – und erfreut das Herz aller, die als junge Menschen die Neunziger erlebt haben. Oder sie gern erlebt hätten. Ein Kamerateam begleitet den abgehalfterten Star durch seine Traumwelt.
Viele Helden dieser Jahre kreuzen Thomas‘ Weg zum Comeback. So endet eine Zusammenarbeit mit Vanessa Mai (gespielt von Vanessa Mai) in einer handgreiflichen Auseinandersetzung. Seine Ex-Freundin Sabrina Setlur (gespielt von Sabrina Setlur) sorgt für eine kreative Blockade. Und die seit Jahrzehnten andauernde Fehde mit dem Erzfeind Oli. P – natürlich dargestellt vom echten Oli. P – gipfelt in einer Katastrophe. Fest eingeschlossen in seiner Zeitkapsel ignoriert „Messiah“ jeden guten Rat. Doch am Ende füllt sich doch die Tanzfläche, wenn auch nicht mit Leuten, die wegen ihm gekommen sind.
Hauptdarsteller Florian Lukas erinnert sich an seine Bedenken, die Rolle zu übernehmen. Mit Musik kenne er sich nicht aus: „Ich habe mal eine Zeit lang Gesangsunterricht genommen, aber völlig vergeblich und auch zu kurz.“ Mit einer ganzen Reihe von Promis der Neunzigerjahre zu arbeiten, sei „total unwirklich“ gewesen, so Lukas. „Es war auf eine Weise irreal, solche Stars zu treffen und mit ihnen zusammenzuarbeiten.“ Alle seien extrem zurückgenommen gewesen, „diszipliniert, professionell und wirklich angenehm im Umgang. Niemand war so, wie man sich Popstars hinter den Kulissen vielleicht vorstellen würde.“
CHRISTOF BOCK