„Ewiger Azubi“: Günther Jauch auf seinem Weingut in Kanzem an der Saar. © Harald Tittel/dpa
Er ist gefühlt schon ewig im (Fernseh-)Geschäft, doch ans Aufhören denkt Günther Jauch auch mit 68 noch nicht. Sein Leben als Weingutsbesitzer und Fernsehmoderator („Wer wird Millionär?“) mache ihm Spaß, sagt er im Interview auf seinem Weingut im rheinland-pfälzischen Kanzem an der Saar. Ohnehin könne er sich einen Ruhestand mit „ewigem Feierabend“ nicht vorstellen: „Das ist für mich eine völlig falsche Vorstellung von einem erfüllten Leben, wenn man einfach gar nichts mehr zu tun hat.“
Derzeit sei er ohnehin „noch voll im Job“ bei RTL. „Und es wird eher mehr.“ Auch auf dem Weingut von Othegraven, das er vor 15 Jahren übernommen hat, packt er an. „Im Schnitt sind wir so eine Woche im Monat da“, sagt er über sich und seine Frau Thea. Er säubert die Holzbänke im Park, macht Telefondienst im Büro und schenkt Kunden Wein aus. Momentan treibt Jauch die Trockenheit um. „Es hat im Frühjahr wieder viel zu wenig geregnet.“
Jauch hatte den Betrieb im Jahr 2010 gekauft, weil er nach gut 200 Jahren aus der Familie heraus verkauft zu werden drohte. Als neuer Chef hat er das Weingut vergrößert – und zwar um fünf auf 15 Hektar. Als Winzer sehe er sich aber nach all den Jahren nicht, sagt er. Im Grunde sei er ein ewiger Azubi. Er habe viel gelernt, aber er würde trotzdem nie dem Kellermeister hineinreden. Und im Weinberg sei er auch keine große Hilfe – da würden die Arbeiter ihn auslachen, meint er: „Meine Frau und ich, wir verstehen uns eher so als das Auswärtige Amt des Weinguts.“
Mit dem Weingut habe sich für Jauch „eine völlig neue Welt“ erschlossen, deutlich handfester und deutlich lustiger als die Fernsehwelt. Außerdem gebe es an der Saar eine große Solidarität. „Wenn einer ein Problem hat, dann halten alle zusammen und helfen einander.“ Das vergangene Jahr sei das schlimmste für ihn in Kanzem gewesen. An Pfingsten hatte ein Hochwasser große Teile des Gutes geflutet. „Der ganze Garten war ein einziger See“, sagte Jauch. Auch im Haus habe es große Schäden gegeben. Aber es gab auch Erfolgsmeldungen. Man habe das Weingut in Deutschland, aber auch international „wieder ordentlich nach vorn gebracht“. Das seien „schöne Momente, wo man merkt, dass die harte Arbeit auch Anerkennung findet“.
Wie zum Beweis gibt es Lob einer Besucherin, die gerade mit ihrer Familie durch den Garten geht: „Ganz toll haben Sie es hier!“ Sie seien gerade aus Berlin zum Urlaub in der Region und wollten mal vorbeischauen. „Das freut uns. Wir geben uns auch Mühe“, antwortet Jauch – und steht für Fotos mit allen auf der Terrasse bereit. Sein erstes Zuhause bleibt aber weiterhin Potsdam: „Im Moment ist es nicht in der Diskussion, dass wir dauerhaft hier hinziehen.“
BIRGIT REICHERT