Sie treten in der ersten Folge auf: Florentine Osche, Torsten Sträter, Simon Mann und Freddy Ekué (v. li.).
„Eine bunte Mischung, die die gesamte Comedyszene widerspiegelt“: Michael Mittermeier präsentiert im BR Fernsehen wieder Newcomer und Stars der Szene. © Martina Bogdahn/BR
Im Club aufzutreten, vor Freunden und Fans, ist das eine. Vor der Kamera so zu performen, dass die Leute lachen und klatschen (und vor allem beim nächsten Mal wieder einschalten) – das ist das andere. Dass sein „Lucky Punch Comedy Club“ eine gute Schule für Comedians ist, hatte Michael Mittermeier bereits vor dem Start der ersten Staffel im vergangenen Jahr im Interview mit unserer Zeitung betont. Da hätten sich Talente hochgespielt, „die kannst du ins Fernsehen stellen, die liefern da einfach ab!“ Das sieht der Bayerische Rundfunk offensichtlich genauso – und hat eine zweite Staffel von „Mittermeiers Lucky Punch Comedy Club“in Auftrag gegeben. Heute läuft im BR Fernsehen die erste von acht neuen Folgen. Wir waren bei der Aufzeichnung der ersten Folge im Münchner Gasteig dabei.
Eine „bunte Mischung, die die gesamte Comedyszene widerspiegelt“ – so beschreibt der 59-Jährige das Konzept der Show, die in der ersten Runde im Schnitt in Bayern rund 260 000 und bundesweit rund 460 000 Zuschauer hatte. Bunt ist auch das Line-Up der Auftaktfolge der neuen Staffel. Mit einem sehr prominenten Gast gleich zu Beginn – Torsten Sträter, vom Gastgeber als „Batman der deutschen Comedy“ angekündigt. Und der zeigt sozusagen exemplarisch, wie man aus einem bloßen Missverständnis im Telefonat mit der „Omma“ eine herrliche Schnurre zaubert.
„Du musst über dich sprechen, über deine Sicht auf die Welt, nicht irgendetwas nacherzählen oder eine Nummer nur deshalb spielen, weil das bei anderen vielleicht funktioniert“ – für Mittermeier der Schlüssel zum Erfolg, wie er seinerzeit erläuterte. Dass „seine“ Newcomerinnen und Newcomer das beherzigt haben, zeigen die Auftritte von Florentine Osche und Simon Mann, die ihre Person – und vor allem ihre Schwächen – konsequent in den Mittelpunkt stellen. Osche erzählt charmant vom zum Scheitern verurteilten Selbstverteidigungskurs („Wenn ich angegriffen werde, muss ich sterben“), und auch Mann („Ich bin wirklich erst 21, ich altere in Hundejahren“) macht Witze auf eigene Kosten. Durch und durch cool und selbstbewusst gibt sich schließlich Freddy Ekué, Münchner mit Wurzeln in Togo und Österreich – mit lässigen Jokes über Racial Profiling, politisch unkorrekte Uniformen und seine Vergangenheit als Model.
Doch was wäre der „Lucky Punch Comedy Club“ ohne Mittermeier? Der Clubchef führt souverän durch den Abend, präsentiert unter anderem wunderbar dramatisierte Alltagsbeobachtungen aus der U-Bahn. Ein bisschen Aktualität darf auch sein, dann geht‘s um den unberechenbaren Donald Trump („Die Realität hat die Satire überfahren und Fahrerflucht begangen“) und den Islamismus. Humor als Geschäftsmodell, aber auch als Selbsttherapie: „Es ist schön, wenn man miteinander lachen kann – das unterscheidet uns von den Terroristen.“ Ein „Lucky Punch“ der Ernsthaftigkeit, mit dem man bei Michael Mittermeier an diesem Ort gar nicht gerechnet hat.
RUDOLF OGIERMANN
Sendehinweis:
„Mittermeiers Lucky Punch Comedy Club“ läuft heute um 22 Uhr im BR Fernsehen, weitere Folgen sind am 12. 6. und ab 26. 6. donnerstags um 22 Uhr zu sehen.