Für sein Alter immer noch fit: Gojko Mitic. © Jens Kalaene
Gegenentwurf zu den Karl-May-Filmen in der Bundesrepublik: Gojko Mitic im DDR-Western „Die Söhne der großen Bärin“ aus dem Jahr 1966. © MDR
Als im Jahr 1966 der Film „Die Söhne der großen Bärin“ in der DDR in die Kinos kam, hatte das Land 17 Millionen Einwohner. Fast zehn Millionen davon haben den ersten Ost-Western gesehen und damit den jungen Hauptdarsteller Gojko Mitic zum größten Star des dortigen Kinos gemacht. Der damals 26-Jährige war unverhofft „Chefindianer der DDR“ und blieb es über Jahrzehnte. Dabei war Mitic, der morgen 85 Jahre alt wird, von Haus aus kein Schauspieler, sondern Sportstudent, der zufällig ins Filmgeschäft geraten war.
Als Anfang der Sechzigerjahre viele Filme, darunter auch die westdeutschen „Winnetou“-Streifen, im damaligen Jugoslawien gedreht wurden, suchten die Produktionsfirmen Einheimische als Statisten – ein begehrter Job, denn bezahlt wurde in Devisen. Mitic mit seinem dunklen Teint und der athletischen Figur wurde als Indianer in „Unter Geiern“ besetzt, dann auch in „Winnetou II“. Weil er gut mit Pferden umgehen konnte und sportlich war, wurde er außerdem als Stuntman engagiert.
Auch international liefen seine Filme
Als man in der DDR angesichts des gigantischen Erfolgs der „Winnetou“-Reihe etwas Vergleichbares auf die Beine stellte, wurde ein Hauptdarsteller gesucht, und man empfahl den jungen Mitic. Der bewährte sich aus dem Stand, auch wenn er immer synchronisiert wurde. Dabei konnte Mitic gut Deutsch, aber die DDR-Filmproduzenten störten sich am slawischen Akzent.
Anders als Winnetou, der als Filmfigur vor allem ein deutsches Phänomen blieb, wurden „Die Söhne der großen Bärin“ und die Nachfolger auch international erstaunlich erfolgreich. Laut Mitic lag das auch daran, dass Indianer im Osten authentischer gezeigt wurden als im Westen. Die Perspektive war eine völlig entgegengesetzte. Hier waren die Indianer die Freiheitskämpfer, die sich gegen fremde Besatzer, die praktischerweise Amerikaner waren, zur Wehr setzten.
Das gefiel in den unruhigen Sechzigern auch anderswo, und Mitic war im weltweiten Vergleich viel bekannter als der „Winnetou“ des Franzosen Pierre Brice (1929–2015). Der Schauspieler ging damit souverän um. Der Bauernsohn aus Serbien blieb bescheiden, fleißig und vor allem – er blieb in der DDR, auch nach der Wende. Das rechneten und rechnen sie ihm hoch an im Osten, er war – und ist – nicht einfach nur ein Star, sondern eine Kultfigur, die heute noch fast jeder kennt.
Für Mitic war es eine ideale Situation. In anderen deutschen Staat genoss er als Filmstar Privilegien wie Reisefreiheit und konnte dennoch vergleichsweise normal leben. Bis 1975 drehte der Schauspieler jedes Jahr einen Indianerfilm, darüber hinaus war er in Streifen wie „Signale – Ein Weltraumabenteuer“ und „Alma schafft alle“ zu sehen und trat als Sänger in Erscheinung. Als im Jahr 1989 – da war er 49 – die Mauer fiel, war es erst einmal vorbei mit den großen Aufträgen. Aber zurück in die alte Heimat wollte er nicht. Mitic, der sich immer noch als Jugoslawe versteht, konnte mit den Bruderkriegen auf dem Balkan nichts anfangen. Also biss er sich im wiedervereinigten Deutschland durch, spielte in Seifenopern wie „Verbotene Liebe“, Serien wie „Forsthaus Falkenau“ und „Notruf Hafenkante“ sowie in diversen „Soko“-Folgen.
Erst auf der Bühne war er Winnetou
Langsam machte er sich auch im Westen einen Namen, nicht zuletzt bei den Karl-May-Festspielen im schleswig-holsteinischen Bad Segeberg, bei denen er von 1992 bis 2006 endlich selbst Winnetou sein konnte – als direkter Nachfolger von Pierre Brice übrigens. Die beiden sprachen stets sehr freundlich übereinander, wahrscheinlich, weil sie in gewisser Weise dasselbe Schicksal teilten.
Über das Privatleben des einstigen DDR-Chefindianers, der seit Jahrzehnten im Berliner Stadtteil Köpenick lebt, ist wenig bekannt. Bis heute wirkt Mitic, der nach eigenen Angaben „vernünftig lebt“, sehr fit. „Ich glaube, ich schaffe es immer noch aus dem Stand aufs Pferd“, sagte er noch im Jahr 2022 mit einem Augenzwinkern.ZORAN GOJIC