Prädestiniert für Heldenrollen: Ex-Bodybuilder Arnold Schwarzenegger als „Conan, der Barbar“ (1982). © Picture Alliance
Was haben Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone und Dwayne „The Rock“ Johnson gemeinsam? Ganz klar – ihre Muskelpakete haben die drei Hollywoodstars berühmt gemacht. Die Dokumentation „Muskelmania“ erzählt heute um 20.15 Uhr auf Arte unterhaltsam die Geschichte des Krafttrainings – angefangen beim aus Königsberg stammenden Muskelprotz Eugen Sandow, der seine Muckies schon ab 1894 in den USA zur Schau stellte. Bis heute wird dem Sieger des „Mr. Olympia“-Wettbewerbs als Trophäe eine Statue überreicht, die Sandow nachempfunden ist.
Muskelschau beginnt in der Gegenwart
Die deutsch-französische Regisseurin Bärbel Merseburger-Sill beginnt ihre ebenso amüsante wie informative Muskelschau aber in der Gegenwart, bei der 2024 ausgetragenen Hyrox-Weltmeisterschaft in Nizza. Das schweißtreibende Spektakel kombiniert auf einem Parcours Krafttraining und Ausdauer und ist derzeit sehr angesagt.
Wie anders waren noch die Zeiten, als der Deutsche Sportbund im Jahr 1970 in der Bundesrepublik die „Trimm dich“-Bewegung ins Leben rief und das kantige, schwarzhaarige Maskottchen Trimmy zum „Laufen ohne Schnaufen“ aufrief. Überall in Deutschland entstanden Trimm-dich-Pfade, auf denen sich jede und jeder gratis an simplen Geräten in Form bringen konnte.
Dennoch macht der Film klar, dass sich mit der Sehnsucht vieler Menschen, namentlich Männer, nach einem trainierten Körper viel Geld verdienen lässt. Die Vermarktung begann bereits früh. Einer der Pioniere der Körperkultur war Jack LaLanne in den USA – dort eröffnete er 1936 eines der ersten Fitnessstudios, moderierte die erste Fitnesssendung im Fernsehen und schwamm 1955 in Handschellen die 1,5 Kilometer von der Insel Alcatraz nach San Francisco.
LaLanne ermunterte auch Hausfrauen dazu, Sport zu machen, dabei zeigt Merseburger-Sill, dass es durchaus Pionierinnen des Bodybuildings gab. Starke Frauen wie Laverie Vallee alias Charmion. Oder Katie Sandwina. Im Jahr 1884 unter dem Namen Katharina Brumbach in Essen geboren, machte sie als „stärkste Frau der Welt“ in den USA Karriere, jonglierte angeblich mit Kanonenkugeln und verbog Hufeisen. „Lady Hercules“ war der Künstlername der Frau, die sich mit dem Gerede vom schwachen Geschlecht nicht abfinden wollte und sich ganz nebenbei für das Frauenwahlrecht starkmachte.
Der „Terminator“ und sein Fitnesscocktail
Natürlich geht es in der Doku auch um Arnold Schwarzenegger, den wohl berühmtesten Bodybuilder aller Zeiten. Der Kraftsportler Peter Gottlob berichtet, wie der Österreicher „Arnie“ bei einem von ihm veranstalteten Event für Athleten im Jahr 1965 seinen ersten Titel gewann. Berüchtigt sei der spätere „Terminator“ für seinen Fitnesscocktail aus Bierhefe, Magermilchpulver und rohen Eiern gewesen. Wer den trinken konnte, ohne sich dabei die Nase zuzuhalten, gehörte zu den ganz harten Kerlen. Auch in der DDR gab es Bodybuilding, wie Bärbel Merseburger-Sill nicht unerwähnt lässt – freilich hieß es im real existierenden Sozialismus nicht so, sondern firmierte unter „Körperkulturistik“.
„Muskelmania“ beginnt bei Kraftprotzen aus der Kaiserzeit und endet bei der modernen weltweiten Fitnessbewegung. Heutzutage wird kaum jemand mehr ernsthaft infrage stellen, dass man seine Muskulatur im rechten Maß und ohne obskure Mittelchen in Schuss halten sollte, um auch im Alter gesund und beweglich zu bleiben. Davon profitiert neben der Gesundheit auch die Wirtschaft. Schätzungen zufolge setzt die Fitnessindustrie derzeit weltweit rund 100 Milliarden Dollar jährlich um – Tendenz steigend.C. WYSTRICHOWSKI