Weltfremd in Los Angeles

von Redaktion

Bei Netflix startet eine neue Staffel der Dokusoap „Kaulitz & Kaulitz“

Schampus in der Designervilla: Die Zwillinge Bill (li.) und Tom Kaulitz führen im kalifornischen Los Angeles ein glamouröses Leben. © Netflix

Er hat Flugzeuge im Bauch und Rasurbrand am Gesäß, dann macht auch noch ein Wasserrohrbruch seine Villa in den Hollywood Hills unbewohnbar – für Bill Kaulitz kommt es in der zweiten Staffel der Netflix-Dokusoap „Kaulitz & Kaulitz“, die an diesem Dienstag startet, ziemlich dick. Die gute Laune lässt sich der queere Paradiesvogel aber nicht nehmen. Die neuen Folgen begleiten Bill und seinen Zwillingsbruder Tom bei ihrem Alltag in Los Angeles und bei Auftritten mit ihrer Band Tokio Hotel. Dabei ist der exzentrische Bill wie schon beim ersten Mal das schillernde Herz der Realityserie. Der vollbärtige Tom spielt eher die zweite Geige, und seine berühmte Ehefrau Heidi Klum taucht nur am Rande auf.

Bill zeigt sich fast hüllenlos

Die erste Staffel der Serie sorgte 2024 in Deutschland für Wirbel und stieg auf Platz eins der Streaming-Charts ein, international war sie dagegen nicht der ganz große Hit. Die neuen Episoden werden Fans nicht enttäuschen. Bill setzt sich erneut als extravagante Diva mit Hang zu frivolen Späßen in Szene. Bei der Bräunungsdusche zeigt er sich fast hüllenlos im Tanga, und genüsslich fängt die Kamera seine goldenen Pantoffeln mit den anzüglichen Zipfeln ein, an denen sein Schoßhund Alfia gerne nagt. David, der neue persönliche Assistent der Brüder, lernt gleich am ersten Arbeitstag die Ansprüche von Bill als Chef kennen. So muss in der Obstschale seiner edlen Villa mittig immer eine Ananas thronen, obwohl die keiner isst. Auch wird David eingeschärft, nur ja nicht die falsche Tiefkühlpizza zu besorgen oder Fingerabdrücke auf den Möbeln zu hinterlassen.

Die Suche von Bill und Tom nach ihrem neuen Assistenten, dessen Eignung mit einem kleinen Streich getestet wird, wirkt wie für die Kamera inszeniert. Insgesamt vermitteln die beiden in Magdeburg aufgewachsenen Popstars jedoch einen unverstellten Eindruck. Anfangs geht es intensiv um Bills Liebeskummer nach dem Scheitern seiner jüngsten Beziehung. Zu Toms Leidwesen tröstet er sich mit einem Kaufrausch – unter anderem soll ein Whirlpool für bis zu 250 000 Dollar aufs Dach seiner Designervilla, und für einen Pool müssen Bäume gefällt werden. Die vielen Glitzerfummels und Accessoires, die seine Kreditkarte zum Glühen bringen, sind verglichen damit das kleinste Problem.

Die Weltfremdheit der Zwillinge wird in der Dokusoap regelrecht zelebriert. Warum etwa sollten zwei Tüten Milch nicht 18 Dollar kosten? Und Heidi Klum bezweifelt in einer ihrer kurzen Szenen, dass ihr Ehemann Tom überhaupt eine Glühbirne wechseln kann. So sind sie wohl, die beiden heute 35-jährigen Brüder, die vor 20 Jahren als Teenager mit ihrem Hit „Durch den Monsun“ zu Megastars wurden und vor den Schattenseiten des Erfolgs, dem riesigen Medienwirbel und übergriffigen Fans, 2010 aus Deutschland flohen. In Los Angeles führen sie seitdem ein glamouröses Leben, wogegen ihren Bandkollegen Gustav Schäfer und Georg Listing die große Popularität versagt blieb.

Die Kaulitz-Zwillinge könnten sich ruhig mehr in die Arbeit an neuen Songs von Tokio Hotel einbringen, finden Georg und Gustav bei einer Besprechung. Doch die Stars der Netflix-Serie haben anderes zu tun, und das gilt vor allem für Bill – beim Fotoshooting für ein deutsches LGBTQ-Magazin, bei einem Auftritt als Model auf der Pariser Fashion Week und beim Dreh zur ZDF-Serie „Späti“ mit Wilson Gonzalez Ochsenknecht.

Privates gibt Tom kaum preis

Wenn er über seinen Liebeskummer spricht oder darüber, dass er erst lernen musste, offen über sein queeres Liebesleben zu reden, schlägt Bill auch mal ernstere Töne an, insgesamt bleibt er aber der quirlige Sonnenschein. „Du bist das Zirkuspferd“, muss auch der offensichtlich stärker geerdete Bruder Tom anerkennen, der am liebsten Wollpullover trägt. Von seinem Privatleben mit Heidi Klum gibt er kaum etwas preis, nur so viel – Heidi sei sehr kritisch gegenüber seiner Musik: „Wenn ihr ein Song nicht gefällt, sagt sie zum Beispiel gar nichts.“C. Wystrichowski

Sendehinweis

Die zweite Staffel von „Kaulitz & Kaulitz“ ist ab heute beim Streamingdienst Netflix zu sehen.

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