Glückliche Gewinner: die Produzenten Till Derenbach, Alexis von Wittgenstein und Michael Souvignier (v.li.) wurden für ihre Serie „Oktoberfest 1905“ ausgezeichnet. © VFF
Wie schön wäre es, meinte Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt, wenn die kindliche Vorstellung wahr würde, und Bernd Burgemeister „von irgendwo da oben“ das sehen würde, was sich hier, am Sonntagabend im Münchner Gloria Palast, ereignete. Da wurde nämlich nicht nur der Fernsehpreis des Münchner Filmfests verliehen, der den Namen des 2008 verstorbenen Produzenten trägt. Sondern es wurde sehr liebevoll des Mannes gedacht, der über viele Jahrzehnte die deutsche TV- und Filmlandschaft geprägt hat. Als Produzent von 70 Filmen, darunter das Oscar-nominierte Historiendrama „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ und die legendären ZDF-Weihnachtsserien wie „Timm Thaler“, „Silas“ oder „Anna“. Aber auch als Mensch, wie Meyer-Burckhardt, der sehr charmant und kurzweilig durch den Abend führte, betonte.
Ausgezeichnet wurden dann zwei Produktionen, die mit der Leidenschaft und Beharrlichkeit auf den Weg gebracht wurden, die auch Bernd Burgemeister ausgezeichnet haben. Zum einen die Serie „Oktoberfest 1905“, Fortsetzung von „Oktoberfest 1900“ aus dem Jahr 2020. „Fünf Jahre nach dem erfolgreichen Start der ersten Staffel ist es den Produzenten Michael Souvignier, Till Derenbach sowie Alexis von Wittgenstein gelungen, die vielfach gelobte Serie in eine zweite Staffel zu führen – und das mit beeindruckender Konsequenz, Qualität und inhaltlicher Tiefe“, befand die Jury, der drei Frauen angehören: die freie Produzentin Dagmar Rosenbauer sowie Maren Knieling (Florida Film) und Katrin Weikart (Syrreal Cats). Head-Autor Ronny Schalk habe es geschafft, eine packende, fiktive Geschichte zu kreieren, die hochaktuelle Themen verhandele: den Kampf um gesellschaftliche Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Beziehungen, die Rolle der Frau im patriarchalen Machtgefüge oder die zerstörerischen Dynamiken eines ungezügelten Kapitalismus.
Als bester Film wurde „Die Nichte des Polizisten“ von Gabriela Sperl und Benjamin Benedict geehrt. Angelehnt an den Mord an Michèle Kiesewetter 2007 in Heilbronn erzählt der Polizeithriller von der Welt junger Polizistinnen und Polizisten, die bei ihrem Einsatz für die Gesellschaft mit organisierter Kriminalität und rechtsextremen Tendenzen in der Polizei konfrontiert werden.
In der Begründung der Jury heißt es: „Im Jahr 2024 die Sender SWR und NDR zu überzeugen, eine wahre Geschichte in Auftrag zu geben, die 17 Jahre zurückliegt und die – auch in der Presse – immer ein Randthema war, ist eine produzentische Leistung. Nicht die einzige in diesem gut gemachten Film, der von erschreckender Aktualität ist.“ Für die Angehörigen und Freunde von Michèle Kiesetter, deren Tod bis heute nicht vollständig aufgeklärt ist, könnte dieser Film ein Trost sein, meinen die Jurorinnen. „Endlich steht ihr Schicksal im Mittelpunkt, endlich wird sie wahrgenommen und respektiert.“STEFANIE THYSSEN