NACHRUF

Er war der „Pop-Papst“

von Redaktion

Trauer um Radiomacher Frank Laufenberg, der im Alter von 80 Jahren gestorben ist

Wandelndes Musiklexikon: Frank Laufenberg. © PA

Die Anfänge: Laufenberg (re.) mit seinem Entdecker Walther Krause im Studio des Südwestfunks. © Privat

Wie groß sein musikalisches Wissen war, illustriert das Prinzip des Formats „Bei Anruf Pop“ beim Privatsender RPR 1. Dort konnten Anfang der Neunzigerjahre Zuhörer anrufen und durch Vorsingen oder Vorsummen Songs identifizieren lassen, deren Titel sie vergessen hatten. Frank Laufenberg hörte, erkannte (meistens) – und spielte die Songs. Der Mann mit der sanften, unaufgeregten Stimme war ein wandelndes Musiklexikon. Am Sonntag ist er im Alter von 80 Jahren gestorben.

Früh zog es den Wahl-Kölner zur Musik. Als Künstlerbetreuer einer Schallplattenfirma und als DJ kam er 1970 mit den Machern der neu gegründeten Popwelle SWF 3 des Südwestfunks (heute Südwestrundfunk) in Kontakt. Die engagierten ihn sofort, Laufenberg gehörte anschließend zu den Initiatoren des legendären „Pop Shop“, der zum Prototyp vergleichbarer Sendekonzepte in (West-)Deutschland wurde. Was hierzulande – aus nationaler oder internationaler Produktion – an Pop und Rock auf den Markt kam, lief zumeist zuerst im „Pop Shop“.

So manche(r), der oder die in diesen Jahren und Jahrzehnten eine Karriere als Moderatorin oder Moderator bei einer ARD-Popwelle anstrebte, nahm Maß an Laufenberg, der neben seiner Arbeit am Mikrofon Generationen von Pop- und Rockmusikfans mit Nachschlagwerken versorgte und Biografien über Joe Cocker, Cliff Richard und Deep Purple schrieb.

Laufenberg machte auch Fernsehen, unter anderem „Supergrips“ für den Bayerischen Rundfunk und „Ohne Filter“ für den SWF, doch seine größte Passion war und blieb das Radio. Seine Bedeutung für die Öffentlich-Rechtlichen unterstrich die Reaktion seines Heimatsenders SWF, als Laufenberg im Jahr 1990 beim Privatsender Sat.1 die Sendungen „Frank & frei“ und „Zapp“ übernahm. Er wurde prompt gekündigt.

Nach Jahren bei den Privaten kehrte der „Pop-Papst“ jedoch 1999 zum Südwestrundfunk zurück, wo er bis 2010 bei SWR 1 „Die größten Hits aller Zeiten“ präsentierte. Auch im Ruhestand schaltete Laufenberg das Mikrofon nicht aus, als Betreiber eines Internetradios mit dem naheliegenden Titel „Pop Stop – Das Musikradio“ blieb er noch bis Ende vergangenen Jahres auf Sendung, außerdem war er in „Zwei bei Frank“ beim Saarländischen Rundfunk (SR) zu hören.

„Vor ihm gab es keinen Musikjournalismus im deutschen Radio“, würdigte ihn der Ex-Bayern-3-Macher und „Mister One Hit Wonder“ Ulli Wenger. Laufenberg habe in den Siebziger- und Achtzigerjahren den Musikgeschmack einer ganzen Generation geprägt, von dem in seinem „Hit-Lexikon des Rock und Pop“ gesammelten Wissen hätten alle deutschen Radiosender profitiert. RUDOLF OGIERMANN

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