„Ich sehe das als Verpflichtung“

von Redaktion

Wie ARD-Managerin Burkhardt die Mediathek für Kinder attraktiv macht

Eltern – zumal von kleineren Kindern – kennen es gut: Man muss für die Arbeit schnell etwas fertig machen, eine halbe Stunde in Ruhe telefonieren, die Wäsche zusammenlegen oder, auch das kommt vor, sich ein paar Minuten ausruhen. Kurzum: Man hat keine Zeit für die Kids und parkt sie vor dem Fernseher. Das wissen natürlich auch die Strategen bei der ARD und haben nun das Kinderprofil ihrer Mediathek in enger Zusammenarbeit mit Experten komplett überarbeitet.

„Das Angebot von ARD und dem Kinderkanal KIKA ist altersgerecht kuratiert, sodass Eltern darauf vertrauen können, dass ihre Kinder passende Inhalte entdecken, ohne auf Formate zu stoßen, die nicht für sie gedacht sind“, lautet das Versprechen. Tatsächlich ist es für Eltern kinderleicht, sich innerhalb der ARD-Mediathek ein Profil anzulegen, das zum Beispiel ausschließlich Inhalte für Vierjährige enthält.

Wir sprachen mit Sophie Burkhardt über die generelle Herausforderung, Kinder und Jugendliche an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu binden. Sie ist Channel-Managerin der ARD-Mediathek und stellvertretende Programmdirektorin.

Sie haben Ihre Mediathek für die jungen Zielgruppen neu aufgestellt. Eine Mammutaufgabe, schließlich ist die ARD-Mediathek, würde ich sagen, nicht die erste App, die Kinder und Jugendliche auf ihrem Smartphone haben.

Die Zielgruppe der Jugendlichen ist sicher die herausforderndste. Ich komme ja aus dem Jugendprogramm und habe das Netzwerk funk mitentwickelt, das sich an 14- bis 29-Jährige richtet. Da waren die Bedürfnisse dieser Zielgruppe besonders wichtig. Bei den ganz Kleinen bis zum Grundschulalter merken wir aber im Gespräch mit den Eltern, dass da durchaus eine sehr bewusste Auseinandersetzung damit stattfindet, was sie ihren Kindern zeigen wollen. Viele spüren eine Verantwortung und wollen ihre Kinder dazu befähigen, mit Medien umzugehen – vor allem in einer zunehmend komplexeren Welt und einem medialen Überangebot. Das Bedürfnis dieser Eltern ist für uns eine Chance und als öffentlich-rechtlicher Sender eine Verpflichtung, ein Programmangebot für die ganze Familie zu schaffen.

Wenn Eltern sich um den Medienkonsum ihrer Kinder kümmern, ist ja schon mal eine Menge gewonnen. Wie wollen Sie mit Ihrem Angebot aber die erreichen, bei denen das nicht der Fall ist? Sie müssen doch auch an eher bildungsferne Familien denken.

Ja, natürlich. Das machen wir auch. Gerade im Bereich von Animations- und Cartoonserien haben wir durchaus auch niedrigschwellige Angebote im Programm, die trotzdem eine gewisse Qualität haben. „Feuerwehrmann Sam“ wäre so ein Bespiel. Das schauen viele Kinder gern, und bei uns gibt es dann neben der Serie eine Doku über echte Feuerwehrmänner. Und, was man in dem Umfeld nicht vergessen darf: Unser Angebot gibt es ohne Zusatzkosten. Es ist über den Rundfunkbeitrag finanziert.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist seit Jahren unter Beschuss von Rechts. Die Kritik trifft vor allem auch Nachrichtensendungen für Kinder, denen die AfD politische Einflussnahme unterstellt.

Das ist ja kein spezifisch deutsches Problem, sondern eines, das sich quer durch die westliche Welt zieht. Unabhängige Medien haben es schwerer. Wir verstehen uns als Stütze für ein demokratisches System. Und gerade in Deutschland können wir stolz auf unser großes freies Mediensystem sein – sei es im Rundfunk oder im Pressebereich. Es ermöglicht uns, ein Gegengewicht zu Fake News oder zu politisch gesteuerten Informationen herzustellen. Es gilt: Wir sind staatsfern und politisch unabhängig, und unser Ziel ist es nicht, Kinder politisch zu indoktrinieren. Im Gegenteil. Unser Ziel ist es, Kinder zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern zu machen. Sie sollen lernen, sich selbst in diesen medialen Angeboten zurechtzufinden, indem sie lernen, kritische Fragen zu stellen. Selbstverständlich müssen aber auch wir uns unseren Kritikern stellen. Wir sind sicher nicht unfehlbar. Es wird immer Arbeit bleiben, um die Glaubwürdigkeit und die Anerkennung in der Gesellschaft zu ringen. Das ist keine Selbstverständlichkeit.

Wie schauen Sie fern? Ist die „Tagesschau“ um 20 Uhr gesetzt? Oder schauen Sie alles digital?

Vor dem Hintergrund der Krisen in der Welt ist vor allem mein Bedürfnis nach seriösen Informationen gewachsen. Darum sollte es doch gehen: um Nachrichten, denen man vertrauen kann. Da spielt die Frage, ob die linear oder digital ausgestrahlt werden, im Grunde keine Rolle.

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