Da gehn‘s dahin

von Redaktion

„Tatort“: In München fiel gestern die letzte Klappe für Batic und Leitmayr

Auf dem Weg in den Ruhestand: die „Tatort“-Kommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec, li.) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) verabschieden sich von den Zuschauern. Die Doppelfolge zum Finale läuft im kommenden Jahr. © Heiden/BR

Der Zufall hat einfach ein gutes Gespür für Dramaturgie: Just in dem Moment, als Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl aus dem Studio kommen – es ist Zeit für die Mittagspause –, dröhnt aus der Box „Time to say Goodbye“, noch dazu in der, sagen wir, besonders emotionalen italienisch-englischen Version von Andrea Bocelli und Sarah Brightman. Die beiden Schauspieler müssen selbst ein bisschen schmunzeln – aber der Song passt nun mal wie die Faust aufs Auge, heißt es doch wirklich Abschied nehmen an diesem Tag. Gestern fiel in München die letzte Klappe für Ivo Batic und Franz Leitmayr. Nach 35 Jahren hören die „Tatort“-Kommissare – wie berichtet – auf. Und nun ist das Finale im Kasten. Das Ende einer Ära, 100 Folgen haben sie gedreht – Rekord.

Wie geht es den beiden Schauspielern nun damit? Der Vorteil sei, so Wachtveitl, dass der Abschied vom „Tatort“ für sie in Etappen stattgefunden habe. „Von der Überlegung, ob wir nicht nach 99 Folgen Schluss machen, damit es nicht so dröhnend dramatisch dreistellig wird, über den Zeitpunkt, als die Entscheidung der Presse bekanntgegeben wurde, bis heute, dem letzten Drehtag mit großem Team, hatten wir Zeit, uns daran zu gewöhnen“, sagt der 66-Jährige und erzählt die schöne Anekdote, wie Ferdinand Hofer ihn und Miro Nemec kürzlich mitten in den Dreharbeiten zu einer Szene überrascht habe: Drei Bier habe er reingebracht und gemeint: „Das ist jetzt die letzte Szene für mich als Kalli mit euch.“ Das müsse doch gefeiert werden. „Kurzum“, so Wachtveitl, „es ist ein Abschied auf Raten, und deswegen ist die eine große Welle, die einen umhauen könnte, gar nicht so groß.“

Mehr als 40 Drehtage liegen hinter ihnen. Der letzte Fall wird über eine Doppelfolge erzählt. Der Arbeitstitel ist „Unvergänglich“, über den Inhalt verrät der BR, dass die Kommissare ein „mörderisches Phantom“ jagen, das ganz München in Angst und Schrecken versetzt. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn Batic und Leitmayr haben nur noch vier Tage bis zu ihrem Ruhestand – und den wollen sie natürlich nicht mit einem ungelösten Fall antreten. Gedreht wurde unter der Regie von Sven Bohse in ganz München, auf dem Dach des Funkhauses genauso wie im U-Bahn-Schacht, am Friedensengel und am Isar-Stauwehr. „Die letzten Folgen sind auch noch mal eine Hommage an die Stadt“, sagt Miroslav Nemec. Was ihn sehr freue.

Der 71-Jährige sieht den Abschied natürlich auch professionell. Allerdings: „Ich glaube, dass der Blues schon noch kommt“, gibt er zu. Bei der Arbeit sei man immer konzentriert, das sei man auch den Kollegen schuldig. Selbst wenn mal privat etwas Schlimmes passiert sei, habe er sich beim Drehen auf die Szenen konzentriert und alles um ihn herum vergessen können. „Das muss auch so sein, aber natürlich ist man danach, wenn Ruhe einkehrt, schon bewegt.“

Damit es nicht ganz so hart wird, haben Nemec und Wachtveitl einen Plan: Sie fahren nächste Woche zusammen nach Kroatien, der Heimat von Nemec. Privat. Ohne Kameras, ohne Drehbücher, ohne den Auftrag, Text zu lernen. „Wir passen ein bissl auf uns auf“, sagt Wachtveitl. „Und stützen uns gegenseitig im Rückblick auf 35 wirklich sehr schöne Jahre.“ Der „Tatort“ sei ein Glücksfall für sie beide gewesen. „Und wir hoffen, auch fürs Publikum.“

Ausgestrahlt wird das große Finale im kommenden Jahr, einen genauen Sendetermin im Ersten gibt es noch nicht.STEFANIE THYSSEN

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