Höchst umstritten, aber erfolgreich: Xavier Naidoo. Das erste Konzert in Köln ist bereits ausverkauft. © Wey/dpa
Am 16. und 17. Dezember will der Sänger Xavier Naidoo sein Comeback auf der Bühne feiern (wir berichteten). Nach sechs Jahren Pause tritt der 53-Jährige erstmals wieder vor großem Publikum auf. Doch es regt sich Widerstand. Der Verein WerteInitiative, der jüdisch-deutsche Positionen vertritt, hat in einem offenen Brief an die Veranstalter sein „absolutes Unverständnis“ darüber zum Ausdruck gebracht, „dass Live Nation GmbH und die Lanxess Arena bereit sind, Naidoo eine Bühne zu geben“. Live Nation ist der Konzertveranstalter, die Lanxess Arena in Köln Austragungsort. Zur Begründung schreibt der Verein: „Naidoo verbreitet seit Jahren antisemitische Verschwörungspropaganda. Diese Entscheidung verharmlost Judenhass und stellt einen Schlag ins Gesicht derer dar, die sich gegen Antisemitismus engagieren.“
Tatsächlich hat Naidoo in der Vergangenheit mehrfach polarisiert. Die Justiz beschäftigt sich nach wie vor mit ihm. Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat in den vergangenen zwei Jahren zwei Anklagen gegen Naidoo wegen Volksverhetzung erhoben. In beiden Fällen geht es um Inhalte mit holocaustleugnendem und antisemitischem Charakter, die nach Behördenangaben über einen Telegram-Kanal verbreitet worden sein sollen. Wie das Landgericht Mannheim auf Anfrage mitteilte, sind die Verfahren noch immer anhängig. „In beiden Verfahren ist noch nicht über die Eröffnung des Hauptverfahrens entschieden worden“, so ein Sprecher.
Naidoos Anwälte haben die Vorwürfe stets als falsch zurückgewiesen. Im Jahr 2022 veröffentlichte Naidoo zudem ein Video, in dem er angab, sich jahrelang in Verschwörungserzählungen verrannt zu haben: „Ich habe Dinge gesagt und getan, die ich heute bereue“, sagte er.
Elio Adler, der Vorstandsvorsitzende des Vereins, sagt, es gehe ihm nicht um „Cancel-Culture“, sondern um den Schutz der offenen Gesellschaft. „Wer Holocaust-Leugnung und antisemitische Mythen verbreitet, darf in Deutschland keine Show-Bühne erhalten.“ Naidoos Fans scheinen damit kein Problem zu haben. Das zweite Konzert am 17. Dezember ist eine Zusatzshow. Die 15 000 Tickets für den ersten Auftritt waren im Nu ausverkauft.THY