Hatten Spaß: Markus Söder mit dem Moderations-Duo der Morning-Show Anja & der Morgenhuber.
Es sind noch elf Minuten bis zur Live-Sendung, als Markus Söder aus seinem Dienstwagen steigt. „Guten Morgen, grüß Gott, Hallo“, Händeschütteln am Eingang, dann geht’s im Stechschritt rein ins Studio von Radio Arabella. Viel Zeit bleibt nicht, bis die Morgen-Show „Perfekt geweckt“ startet, in der Bayerns Ministerpräsident gestern zu hören war – als Co-Moderator von Anja Mikolajczyk. „Radio ist wie Fahrradfahren“, wird Söder, der einst das Journalisten-Handwerk beim Bayerischen Rundfunk gelernt hat, später sagen. Will heißen: Wer kann, der kann, da braucht es keine große Vorrede geschweige denn noch eine „richtige“ Vorbereitung.
Tatsächlich schüttelt der CSU-Politiker die einstündige Sendung locker aus dem Ärmel. Essen möchte er nichts, ein Kaffee wäre schön. „Schwarz und bitter wie mein Leben“, witzelt er, dann leuchtet auch schon die rote Lampe, man ist „On Air“. Anja Mikolajczyk begrüßt ihren Gast und stellt eines gleich klar: „Wir haben uns ein Politik-Verbot auferlegt“, tagesaktuelle Themen müssen draußen bleiben. Es soll um den „Menschen Söder“ gehen, um Privates. Das hängt mit Auflagen der Kontroll-Instanzen zusammen, spielt Söder aber rein, weil er sich von seiner lockeren Seite zeigen kann, die er ja nun mal hat. „Ich freu mich total, hier zu sein“, sagt er, macht Scherze über den „Morgenhuber“ Christian Huber, der eigentlich mit Kollegin Anja moderiert, an diesem Vormittag aber still und leise mit im Studio sitzt und einfach nur zuhört. Der habe keinen Bock heute, ätzt der Ministerpräsident, sei wohl „sommermüde“, da müsse er halt eingreifen. Die Idee zum Auftritt hinterm Mikrofon kam am Rande der Lokalrundfunktage kürzlich in Augsburg zustande.
Mitgebracht hat Markus Söder eine Playlist mit seinen persönlichen Lieblingssongs. Los geht’s mit Bellini und „Samba de Janeiro“ – „für alle da draußen“, kündigt Söder mit betont samtener Stimme an, damit endlich mal trotz des miesen Wetters ein Gefühl von Sommer aufkomme. Nach einem Kurzgespräch über seine Morgenroutine (Wecker zwischen 5 und 6, dann Sport, zwei Tassen Kaffee, ein paar Vitamine – „kein Ingwerzeug“ –, um kurz vor sieben ins Büro) kommt der nächste Song: „Mamma Mia“ von Abba. Später geht es weiter mit „In between Days“ von The Cure (ein „absoluter Hammersong aus meiner Jugend“), Ricchi e Poveri und ihrem Italo-Knaller „Sarà perché ti amo“ („Ich bin großer Italienfreund“) bis hin zu Neil Diamonds „Forever in Blue Jeans“, was Söder mit einem „Gefühl von Freiheit“ verbindet. Als er das Wetter ansagt, kann er sich einen Verweis auf die gerade laufende (politische!) Diskussion über den Zeitpunkt der Sommerferien in Bayern dann doch nicht verkneifen („In Bayern bleibt alles, wie es ist“) und leitet schließlich souverän über zu U2, die „Pride (In the Name of Love)“ schmettern. „Eine Hymne“.
Es ist ein guter, natürlich Arabella-tauglicher Mix, den Söder da höchstselbst zusammengestellt hat. Er kennt sich aus, keine Frage. Man glaubt ihm, dass er regelmäßiger Arabella-Hörer ist. Später, als er bei den Kollegen von Arabella Bayern reinschaut und sich auch dort einen Hit wünschen darf, muss er aber doch kurz überlegen. Spontan fällt ihm nichts ein. „Münchener Freiheit“, ruft ihm jemand zu. „Ja, das ist gut.“ Aber welcher Song? „Ohne dich“ ist die erste Idee, die unterbreitet wird, doch in Sekundenschnelle checkt der Ministerpräsident, dass der Text („.. schlaf ich heut Nacht nicht ein“) nicht ganz so günstig sein könnte und ist dankbar, als ein ebenso schneller Mitarbeiter von ihm „Bis wir uns wiederseh‘n“ vorschlägt. „Super, den nehmen wir.“ Das passe auch dazu, dass er gern noch mal wiederkommen würde, so Söder.
Kein Wunder, denkt man sich. Ist super gelaufen für ihn. Und für Radio Arabella auch. 25 Prozent über dem normalen Wert lagen die Zuhörerzahlen im Webradio gestern Morgen. Ob sich nun auch andere Politiker anbieten werden? Selbst wenn, heißt es. Das war eine Ausnahme für den Ministerpräsidenten. Und der saust um 7.58 Uhr wieder davon, pfeifend.STEFANIE THYSSEN