Jazz geht‘s los!

von Redaktion

Lokale und internationale Stars der Szene treten im Bayerischen Hof auf

Lokalmatadorin: Alma Naidu aus München. © V. Zayika

Söhne Mannheims Jazz Department: Michael „Kosho“ Koschorreck, Edward Maclean und Ralf Gustke (v. li.). © Rocco Dürlich

Die Stimme ist heuer das „Instrument des Jahres“. Da ist es nur naheliegend und folgerichtig, auch bei einem Festival den Fokus auf die so vielfältigen Einsatzmöglichkeiten dieses ältesten, weil im Prinzip jedem Menschen zur Verfügung stehenden Instruments zu richten. So ist Münchens einziges Jazzfestival, der „Jazzsommer im Bayerischen Hof“, dieses Jahr mit dem Motto „Voices“ überschrieben. Wobei Festivalchef Oliver Hochkeppel freimütig einräumt, er habe „ursprünglich eher was mit ,The Story of Jazz‘ im Kopf gehabt“. Da sich beim Buchen aber bald ein Vokal-Schwerpunkt herauskristallisiert habe, warum diesen Ansatz nicht konsequent weiterverfolgen? Letztlich komme es auf die Mischung an, sagt Hochkeppel: „Etablierte und Newcomer, Amis, Europäer und Locals, verschiedene Stile, es soll unter dem verbindenden Motto schon möglichst bunt zugehen.“

Eine äußerst vielfarbige Palette ist auf jeden Fall geboten, wobei die knalligste Signalfarbe gleich am Anfang leuchtet: Mit Dee Dee Bridgewater eröffnet am kommenden Dienstag eine der ganz Großen des Jazzgesangs das Festival. Das Konzert im Festsaal, bei dem Bridgewater von einem rein weiblich besetzten Trio begleitet wird, beginnt um 19.30 Uhr. Wer die ausdrucksstarke Sängerin und charismatische Diva schon einmal live erlebt hat, wird vermutlich auch diesmal ohne offene Wünsche nach Hause gehen.

Sollte man allerdings nicht sofort tun, denn um 22 Uhr tritt im Night Club mit Tyreek McDole „ein Geheimtipp, der gar nicht mehr so ein Geheimtipp ist“, auf. McDoles Debütalbum „Open up your Senses“ bekommt jedenfalls durchweg glänzende Kritiken, und wenn nicht alle Experten mit ihren Karriereprognosen komplett danebenliegen, dann ist seine Deutschlandpremiere vielleicht die einzige Gelegenheit, den 24-jährigen Senkrechtstarter mal in einem so kleinen, intimen Rahmen zu erleben.

Auch die übrigen Konzerte finden im Night Club statt. Dort steht am Donnerstag (24. 7.) die Lokalmatadorin Alma Naidu im Mittelpunkt, die sich allerdings längst weit über München hinaus Renommee ersungen hat. Als besonderen Gast hat sie den gern als „deutscher George Benson“ titulierten Gitarristen und Sänger Torsten Goods mit dabei. „Recht unverdient noch nicht so im Fokus ist Christie Dashiell, die also mein eigentlicher Geheimtipp ist“, sagt Hochkeppel über das Konzert am Freitag (25. 7.). Er finde die 36-jährige Sängerin „ganz großartig“, viel besser als etwa die landauf, landab gehypte Samara Joy.

Den Festivalabschluss am Samstag, den 26. 7., bestreitet das Jazz Department der Söhne Mannheims, wobei man davon ausgehen darf, dass die den Gattungsbegriff Jazz nicht unbedingt puristisch eng auslegen dürften. Apropos „nicht so eng sehen“ – weil man sich an kein noch so stimmiges Motto sklavisch klammern sollte, gibt es mit Lars Danielssons Quartett Libretto auch ein rein instrumentales Konzert (23. 7.). Allerdings wurde dem schwedischen Bassisten und Cellisten auch schon verschiedentlich nachgesagt, er könne seine Instrumente „zum Singen bringen“.

Schon zur Tradition gehört, dass der offiziellen Eröffnung des Jazzsommers das Preisträgerkonzert des Kurt Maas Award vorgeschaltet ist. Dabei darf am kommenden Montag (21. 7.) die Saxofonistin Katarina Pfeifer ihr Können zeigen. Ebenfalls fester Festivalbestandteil ist eine Fotoausstellung im Atrium des Bayerischen Hofs, die diesmal unter dem Titel „Famous Faces“ Musikerporträts aus der Sammlung des Galeristen Stephen Hoffman präsentiert. Und in der hauseigenen Cinema Lounge gibt es die ganze Woche Musikfilme zu sehen, Biopics über Ikonen wie Billie Holiday, Edith Piaf oder Ray Charles sowie das Oscar-prämierte Jazz-Musical „La La Land“. REINHOLD UNGER

Detaillierte Infos

und Tickets für alle Konzerte unter www.bayerischerhof.de.

Artikel 2 von 2