Wenn das Schule macht

von Redaktion

In „Andere Eltern“ im ZDF übernehmen Mama und Papa den Unterricht

Mitbestimmung am Limit: Rektorin Franziska Marx (Veronica Ferres) beschäftigt an ihrer Grundschule auch die Eltern der Kids. Mit zweifelhaftem Ergebnis. © Frank Dicks

Über kaum einen schulischen Termin gibt es so viele Schauergeschichten wie über Elternabende. Veranstaltungen, in denen Informationen zum bevorstehenden Wandertag zu Grundsatzdiskussionen über das Schulsystem als solches eskalieren. Im Fernsehfilm „Andere Eltern – Die 1. Klasse“, zu sehen morgen um 20.15 Uhr im ZDF, potenziert sich dieses Grauen, denn dort ist sozusagen immer Elternabend. Die Komödie erzählt von einer Clique großstädtischer Eltern, die sich in eine von der Schließung bedrohte Grundschule mehr oder weniger einkaufen. Im Gegenzug für eine großzügige Geldspende dürfen sie ganzjährig und ganz direkt mitreden. Kurzerhand unterrichten sie selbst – trotz natürlich fehlender pädagogischer Ausbildung.

Dass das keine gute Idee ist, liegt nahe. Auch Schauspielstar Veronica Ferres (60, „Die Frau vom Checkpoint Charlie“) sieht das so – sie spielt in der Komödie die entnervte Schuldirektorin. „Ich glaube, als Eltern ist man zu emotional involviert, um objektiv und entspannt zu unterrichten“, sagt sie im Interview: „Ich bewundere jede Mutter und jeden Vater, die das im Homeschooling durchgezogen haben!“

Der Stoff ist interessant, die Entstehungsgeschichte der Komödie aber auch. Manch einer wird sich womöglich an zwei hochgelobte Staffeln der Serie „Andere Eltern“ erinnern, die nach der Ausstrahlung im Pay TV im frei empfangbaren Fernsehen bei ZDF Neo liefen. Schon darin wurde das Milieu der sogenannten Helikoptereltern ausgeleuchtet, die sich anmaßen, alles besser zu wissen als pädagogische Fachkräfte. Dort ging es um eine Kita. Der Film knüpft an diese Erzählung an. Nun ist die Schule dran.

Die Schauspieler in „Andere Eltern – Die 1. Klasse“ haben ohne Drehbuch gearbeitet, das heißt, sie haben ihre Dialoge improvisiert. Das passt zum Stil des Films, der als sogenannte Mockumentary angelegt ist. Der Inhalt ist Fiktion, erzählt wird er jedoch wie eine Dokumentation, mit Stimme aus dem Off. „Es war ein bisschen wie Theater – nur mit Kamera“, sagt Veronica Ferres. „Wir kannten die groben Szenenideen, aber es gab keine festgelegten Dialoge. Man kommt ans Set, bekommt die Situation erklärt – und dann geht‘s los.“ Vorbereiten könne man sich auf einen solchen Job nur bedingt.

Umso erstaunlicher ist, wie gut Regisseur Lutz Heineking jr. und das Ensemble die Befindlichkeiten, Sprachcodes und Missverständnisse der Elternszene treffen, die sie zeigen wollen. Gezeigt werden Eltern, die ihre eigene Sinnsuche auf die Schullaufbahn ihrer Kinder projizieren. Ernährung, Klima, Achtsamkeit – alles wird irgendwie mit in die Schule gebracht. Vater Jannos (Jasin Challah) erklärt etwa, dass seine Aufgabe hauptsächlich darin bestehe, den Kindern das Gendern beizubringen. Krampfhaft ist er bemüht, ein sogenannter moderner Mann zu sein, wirkt dabei aber massiv verunsichert.

Als Gegenpol gibt es einen altgedienten Lehrer mit dem Namen Walter Kleefisch, stilecht im speckigen Wildledersakko. Gespielt wird er von Henning Krautmacher, der einst Sänger der Kölner Band „Höhner“ war. Schon dadurch strahlt die Figur eine gewisse Resistenz gegen neumodischen Schnickschnack aus. In weiteren Rollen sind unter anderen Henny Reents, Maike Jüttendonk und Johanna Gastdorf zu sehen. Glücklicherweise wird all das sehr lustig und nicht effekthascherisch erzählt. Der Film ist keine Comedy, die die vermeintlich unverbesserlichen Lastenradfahrer aus Berlin oder München verhöhnt. Er geht stattdessen liebevoll mit seinen Figuren um, auch wenn er sie scheitern lässt. Nur im Handlungshöhepunkt rund um gestohlenes Pferdesperma vergaloppiert er sich etwas.

Wie detailverliebt gearbeitet wurde, lässt sich schon daran erkennen, dass die Macher die Schauplätze sehr genau zu kennen scheinen. Die Komödie spielt in Köln-Nippes, dem „Eldorado der Helikoptereltern“, wie es heißt. Sie könnte aber auch in jeder anderen deutschen Metropole spielen.

Und was ist nun Ferres‘ Erkenntnis aus der Beschäftigung mit der Schule? „Ich habe größten Respekt vor Lehrkräften“, sagt die Schauspielerin: „Sie leisten unglaublich viel – fachlich, pädagogisch und emotional. Und oft unter nicht idealen Bedingungen.“JONAS-ERIK SCHMIDT

Artikel 2 von 2