Wer bleibt Millionär?

von Redaktion

Quiz-Kandidaten nach der Show: von erfolgreich bis verarmt

Unvergessene Millionäre: (v. li.) Eckhard Freise, Marlene Grabherr, Gerhard Krammer und Maria Wienströer. © Rtl

Die eine kauft sich eine Villa, ein anderer pflanzt einen Wald voller Trüffel-Eichen, und einige Hochgesinnte geben von ihrem plötzlichen Reichtum etwas an Bedürftige ab: Quizshows sind fast so alt wie das Fernsehen selbst, und von ein paar Euros bis zu Millionen gibt es bei Günther Jauch & Co. unterschiedliche Summen zu gewinnen. Genauso unterschiedlich ist, was die Gewinner damit anstellen: Viele bleiben vernünftig, investieren die Summe in eine sichere Kapitalanlage. Doch nicht allen Siegern oder Siegerinnen hat der Gewinn Glück gebracht.

Der RTL-Dauerbrenner „Wer wird Millionär?“ ist der Klassiker unter den modernen Quizshows – Jauchs erster Millionär, damals noch in D-Mark, war 2000 der Geschichtsprofessor Eckhard Freise. Er bezahlte mit der Million seine Doppelhaushälfte ab, eine sechsstellige Summe spendete er an mehrere Einrichtungen. „Das Geld war nach einem Jahr weg“, erzählt der heute 80-Jährige.

Freise war nicht der Einzige, der von seinem im Fernsehen erspielten Vermögen etwas für den guten Zweck abgab. Der Veganer Thomas Kreidemeier, der im vorigen August als 23-Jähriger in Johannes B. Kerners ZDF-Show „Der Quiz-Champion“ 100 000 Euro kassierte, kündigte an, alles der Albert Schweitzer Stiftung zu spenden, um etwas für den Tierschutz zu tun. Als die Dresdnerin Nadja Sidikjar 2016 bei Jauch die Rekordsumme von 1,5 Millionen Euro holte, versprach sie, ihrem Telefonjoker helfen zu wollen, einer an Multiple Sklerose erkrankten Lehrerin: „Sie sitzt im Rollstuhl, und ich möchte ihr einen Treppenlift kaufen, damit sie es in ihrem Haus ein bisschen leichter zu leben hat.“

Beatrice Egli gewann 2013 bei „Deutschland sucht den Superstar“ 500 000 Euro – sie blieb bescheiden und gab später zu Protokoll, dass ihr erster größerer Kauf ein Kofferset für die vielen Reisen war, die danach auf sie zukamen. Nicht selten kassiert der Staat übrigens mit, wenn im Fernsehen Geld ausgeschüttet wird. Besteuert wird ein Gewinn nur dann nicht, wenn der Faktor Glück überwiegt – bei „Wer wird Millionär?“ etwa werden die Preisgelder vom Finanzamt in der Regel mit einem Lottogewinn gleichgesetzt, also als reine Glückssache gewertet. Siegprämien aus „Big Brother“ gelten hingegen als Einkünfte aus selbstständiger Arbeit und müssen versteuert werden. Für Realitystar Sascha Sirtl wurde sein Sieg 2005 nach 365 Tagen im TV-Container deshalb zum Bumerang: Er gewann eine Million Euro, baute ein Haus, kaufte einen Geländewagen, lieh Freunden Geld. Jahre später klopfte das Finanzamt bei Sirtl an und forderte mehrere 100 000 Euro Steuern von ihm. Sein ungeschönter Kommentar in einem Interview: „Ich bin ruiniert.“

Ein besonders trauriger Fall war das Schicksal von Marlene Grabherr, die 2001 als Arbeitslose bei „Wer wird Millionär?“ mitmachte und eine Million Mark gewann. Sie genoss den Geldsegen in vollen Zügen, kaufte für sich und ihren Mann eine Villa und ein flottes Auto mit 250 PS, reiste viel, umgab sich wohl auch mit falschen Freunden. Irgendwann war die Kohle weg: Marlene Grabherr starb 2013 mit nur 60 Jahren komplett verarmt.CORNELIA WYSTRICHOWSKI

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