In der ARD-Kultserie fand Mutter Beimer ihr spätes Glück mit Erich Schiller (Bill Mockridge). © Jörg Carstensen
Die Beimers: (v. li.) Joachim Luger, Marie-Luise Marjan, Christian Kahrmann und Moritz A. Sachs. © D. Seip/WDR
Schauspielerin Marie-Luise Marjan in ihrer Serien-Küche, die mittlerweile museumsreif ist. © Meike Boeschemeyer
Mindestens 300 Spiegeleier hat sie in der „Lindenstraße“ gebraten, war Kummerkasten für Ehemänner, Freundinnen und Hausbewohner, hat Kinder getröstet und sich als Helga Beimer in knapp 35 Jahren ihren Platz in den Herzen der Zuschauer erobert. Für viele ist Schauspielerin Marie-Luise Marjan, die am Samstag 85 Jahre alt wird, identisch mit „Mutter Beimer“. Als Marjan sich nach einem schweren Sturz im Juni vergangenen Jahres in der Öffentlichkeit zurückmeldete, konnte man in den Medien Sätze lesen wie: „So hat sich Mutter Beimer wieder ins Leben zurückgekämpft“. Als hätte „Mutter Beimer“ die Absetzung der „Lindenstraße“ durch die ARD im Jahr 2020 einfach ignoriert und führte nun ein Eigenleben in der Wirklichkeit. Warum sie diese Vermischung von Realität und Fiktion nicht stört, erklärt Marie-Luise Marjan im Interview.
Ärgern Sie sich, wenn Sie jemand als Helga Beimer anspricht oder wenn man Sie auf diese Rolle reduziert?
Überhaupt nicht! Das nehme ich als großes Kompliment an. Mit Erfolg habe ich Mutter Beimer 35 Jahre lang verkörpert, das ist eine lange Wegstrecke, ein halbes Leben.
Sie sind 1940 geboren. Haben Sie noch Erinnerungen an den Krieg?
Ich gehöre zu einer Generation, die gelernt hat, mit wenig auszukommen und trotzdem nicht aufzugeben. Wer Krieg erlebt hat, der weiß, was existenzieller Mangel bedeutet, und lernt, was wirklich zählt. Wir waren ständig von Verlust umgeben: Menschen, die starben, Häuser, die zerbombt wurden, Lebensmittel, die es nicht gab. Aber wir haben gelernt, zu teilen, zu improvisieren, zu helfen, zu verzichten. Nach dem Krieg kam der Wiederaufbau – wir mussten uns alles erarbeiten. Und genau das hat uns geprägt: Disziplin, Pflichtgefühl, Beharrlichkeit.
Sie engagieren sich seit Langem für die Hilfsorganisationen Unicef, Malteser und Plan International: Sehen Sie sich selbst als einen politischen Menschen?
Jeder Mensch sollte politisch interessiert sein, sonst übernehmen es andere für einen. Man sollte auch nicht immer auf alles und jeden schimpfen, sondern selbst mit anpacken. Da, wo man Missstände anprangert, vielleicht lieber die Frage stellen: Wie kann ich helfen? Was kann ich tun, um die Situation zu verbessern? In einer Gemeinschaft – ob Familie oder Gesellschaft – funktioniert das Miteinander nur, wenn sich alle ihrer Verantwortung bewusst sind. Sich zurücklehnen und anderen die Arbeit und Verantwortung überlassen, ist der falsche Weg.