Ins Grüne fahren würde man am liebsten mit diesem grünen Cabriolet Delta Tatra (1927). © D. Mielcarek / Sudetendeutsches Museum
Kostbare Fracht: Anlieferung des Gatter-Wagens ins Sudetendeutsche Museum. © Daniel Mielcarek / Sudetendeutsches Museum
Es gibt weltweit nur noch ein einziges Gatter-Mobil. Und das steht jetzt – dank Leihgabe eines privaten Sammlers – im Sudetendeutschen Museum in München. Wer es sieht, würde es natürlich am liebsten aus seinem Dornröschenschlaf befreien und losfahren. Denn dieses Gefährt ist auch fast 100 Jahre nach seiner Entwicklung eine nicht verblühende Schönheit. Heute ist sie ein Vermögen wert – 1927 aber war der sogenannte Gatter-Wagen einer der ersten erschwinglichen Kleinwagen für alle. Noch vor Ferdinand Porsches Volkswagen. Was beide Autos außerdem gemeinsam haben: ihre Erfinder kamen aus Böhmen. Sie und weitere Pioniere von dort und aus Mähren feiert das Sudetendeutsche Museum nun in einer Sonderausstellung.
Es ist ein Blick zurück in eine Zeit, in der die Welt ähnlich im Umbruch war wie heute. So wie wir unser Leben im Kleinen wie im Großen seit Aufkommen von Internet und angesichts von Künstlicher Intelligenz neu justieren müssen, so sorgte auch die zunehmende Mobilität durch die Erfindung des Automobils für grundlegende Veränderungen. Entfernungen bekamen neue Bedeutung, das Leben nahm an Tempo auf. Die Ureinwohner Amerikas sollen angesichts der ersten Eisenbahnen gewarnt haben: viel zu schnell, da komme auf der Fahrt der Geist nicht mit. Genauso muss man sich vermutlich auch das Staunen der Menschen vor mehr als einem Jahrhundert vorstellen, als erstmals eine mehrtägige Fernfahrt per Automobil möglich war. Theodor von Liebieg – Baron und Abenteurer – sorgte damit damals für Aufsehen. Im Museum kann man in Liebiegs Reisetagebüchern lesen. Denn auch wenn man hier herrliche Raritäten wie einen Tatra Delta von Hans Ledwinka oder ein Böhmerland-Motorrad von Albin Liebisch anschauen kann: Im Zentrum der Ausstellung stehen die Visionäre, die diese neuartigen Fortbewegungsmittel einst konstruiert haben. Denn: „Nicht die Technik macht Geschichte, sondern die Menschen, die sie erfunden haben.“ So formulierte es einmal Ferdinand Porsche (1875-1951), der wohl bekannteste Pionier der Schau.
Porsche wird am 3. September noch einmal auf besondere Weise gefeiert: Anlässlich seines 150. Geburtstages lädt das Haus Kinder ab sieben Jahren zum Ferienprogramm „Happy Birthday Ferdinand“ ein. Die kleinen Teilnehmerinnen und Teilnehmer können hier selbst zu Fahrzeugkonstrukteuren werden. Die Teilnahme ist kostenlos, Anmeldung per E-Mail an anmeldung@sudetendeutsches-museum.de. Und auch darüber hinaus bietet das Programm viele abgefahrene Veranstaltungen – für Jung und Alt.KATJA KRAFT
Bis 11. Januar 2026
Di. bis So. 10 bis 18 Uhr;
Hochstraße 10; Eintritt frei.
Das komplette Programm unter sudetendeutsches-museum.de/veranstaltungen