König im Arbeitszimmer. © Glasow & Vahlefeld
Er ist der vielleicht bekannteste deutsche Comiczeichner: Ralf König, dessen lustige Bildergeschichten über schwule Männer seit vielen Jahren das Publikum und die Kritik begeistern. Anlässlich seines 65. Geburtstags am 8. August erscheint der Jubiläumsband „Pflaumensturz und Sahneschnitten“. König wurde in Soest geboren, absolvierte eine Schreinerlehre. 1981 kam sein erstes Buch auf den Markt. Vor allem das 1987 erschienene Comicalbum „Der bewegte Mann“ (und Sönke Wortmanns Verfilmung) machte ihn bekannt. Der zahlreich ausgezeichnete Künstler lebt in Köln.
Als Ihr erstes Buch erschien, war noch der Paragraf 175 in Kraft, der sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte. Wollten Sie damals mit Ihren lustigen Comics ein Zeichen setzen oder ging es Ihnen hauptsächlich um Unterhaltung?
Letzteres. Ich war als Teenager auf dem Dorf in Ostwestfalen beeindruckt von den amerikanischen Underground-Comics, Robert Crumbs „Fritz the Cat“ und so. So was wollte ich auch machen, Comics für Erwachsene. Und weil ich schwul bin, wurden das halt schwule Comics. Was ich damit bewirkt habe, war mir damals nicht bewusst, es gab ja kein Internet. Aber heute kriege ich das sehr oft gesagt, dass meine Comics eine wichtige Coming-out-Hilfe waren. Es gab damals für Schwule nicht viel zu lachen, da kam ich mit den Knollennasen genau richtig.
Sie waren als Kind Fan von den „Peanuts“ und von „Lucky Luke“, an denen Sie sich anfangs auch orientiert haben. Warum haben es Ihnen diese beiden so angetan?
Die „Peanuts“ habe ich natürlich schon sehr früh gelesen, in der „Tageszeitung“ und im „Stern“. Charles Schulz war in vielem vorbildlich, ohne dass ich das bewusst gemerkt hätte: Timing, Mimik, Körpersprache, wie man Pointen setzt. Und „Lucky Luke“ war von Morris einfach herrlich gezeichnet, das sieht aus wie schnell mit Tuschefeder hingekritzelt. Das liebe ich, das Spontane im Strich. Heute arbeiten Kollegen meistens am Tablet, also technisch. Dadurch wird alles viel zu rund und perfekt, mit knalligen Farben, die alles zusuppen. Mich langweilt das. Ich steh auf Minimalismus.
Sind Charlie Brown und Lucky Luke in Wirklichkeit vielleicht schwul?
Nö. Warum sollten sie? Die Peanuts kamen nicht mal in die Pubertät! Aber Lucky Luke hatte diese feinen schwarzen Härchen im Nacken, das fand ich als Kind schon sehr erotisch. Allerdings hatte er keine Brustwarzen. Die Comicfiguren damals hatten nie Nippel, auch die Männer nicht. Die hab ich immer mit Buntstift draufgemalt, weil ich dachte, die hat man vergessen. Wie kann man denn Nippel vergessen?
Um Ihre zum Teil sehr eindeutigen Zeichnungen gab es immer mal wieder Ärger mit Sittenwächtern. Juckt das heute überhaupt noch jemanden?
Nachdem das Bayerische Landesjugendamt Mitte der Neunziger daran scheiterte, mein Buch „Bullenklöten“ indizieren zu lassen, interessierte das tatsächlich niemanden mehr. Der Freispruch der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften in Bonn las sich fast wie eine Kaufempfehlung! Ich hoffe, das bleibt auch so, mittlerweile bewegt sich ja einiges wieder ins Verbissene.
Schwulsein ist heute viel akzeptierter als früher. Was bedeutet das für Ihre Arbeit, fehlen Ihnen manchmal die Reibungspunkte?
Mein Personal ist ganz unaufgeregt schwul. Mir geht es meist um was anderes: um Zweierbeziehungen, Umgang mit Monogamie und Sex, unglücklich Verliebtsein und Shakespeare oder Aristophanes oder den Apostel Paulus, um menschliche Evolution, um Tausendundeine Nacht, um die Homo-Ehe oder auch damals HIV oder zuletzt Corona. Da reibt sich genug. Schwul als Thema ist zum Glück uninteressant.
Die Verfilmung Ihres Comics „Der bewegte Mann“ mit Til Schweiger und Katja Riemann war ein Hit. War es schön, plötzlich ein Star mit viel Geld zu sein – oder hatte der Ruhm auch Schattenseiten?
Viel Geld haben mit dem Film andere gescheffelt. Ich war damals so dumm, einen für mich ungünstigen Filmvertrag ungeprüft unterschrieben zu haben. Hurra, da wollen welche mein Buch verfilmen, geil, wo ist der Kugelschreiber? Wobei ich sagen muss, dass mit diesem Erfolg von sechseinhalb Millionen Zuschauern auch niemand gerechnet hatte. Zum Glück ärgere ich mich über so was nicht lange. Ich bin eher dankbar, dass sich meine Comics auch nach über 45 Jahren noch verkaufen und ich davon leben kann. Und als Star hab ich mich nie gefühlt. Meine Nasen sind bekannter als meine Nase.