Verliebt im Freibad: Simon (Tyrell Otoo) und die Rettungsschwimmerin Mira (Anouk Elias). © Xiomara Bender/ZDF
Die Neunzigerjahre: Das war jene Zeit, als Songs wie „Mambo No. 5“ von Lou Bega, „Everybody“ von den Backstreet Boys oder „Kiss me“ von Sixpence None The Richer die Charts, Tanzflächen und Herzen im Sturm eroberten. Als Witze auf Kosten anderer noch völlig normal waren, die Telefone an unpraktischen Kabeln hingen und ausschließlich zum Telefonieren da waren. Eine Zeit vor Smartphones und Social Media; die Jahre nach dem Zerfall des Ostblocks, als man vom „Ende der Geschichte“ und dem Siegeszug der liberalen Demokratie träumte. Und die größte Sorge dem „Millennium bug“ galt, dem potenziellen Zusammenbruch der Computersysteme durch die Umstellung auf die Jahreszahl 2000. Die Komödie „Für immer Freibad“, die das ZDF am Donnerstag um 20.15 Uhr zeigt, huldigt hemmungslos diesem gerade in der Rückschau beneidenswert unbeschwerten Jahrzehnt.
Der Film spielt im Sommer 1999, rund um die totale Sonnenfinsternis vom 11. August, in einer fiktiven deutschen Kleinstadt mit dem schönen Namen Niederwülst. Hauptfigur Simon (Tyrell Otoo) hat gerade das Abi bestanden, sogar ein Jahr schneller als üblich – sein nerdiger, aber warmherziger Vater (Benno Fürmann) hat ihn auf Leistung gedrillt. Weshalb auch Simons weiterer Lebenslauf präzise durchdacht ist: Über den Sommer soll Simon ein juristisches Vorbereitungsseminar absolvieren, danach studieren, einer Kanzlei beitreten, heiraten, Kinder kriegen und schließlich ein Eigenheim errichten. Klar, dass dieser Lebensplan schon auf den ersten Metern scheitert: Als Simon der lässigen Mira (Anouk Elias) über den Weg läuft, die als Rettungsschwimmerin im örtlichen Freibad arbeitet, ist es um ihn geschehen. Er heuert ebenfalls dort an und führt fortan ein Doppelleben: Während er seinem Vater den fleißig lernenden Sohn vorspielt, verbringt er seine Tage in der grindigen Pommesbude oder kratzt Kaugummis von der Wasserrutsche.
Will Evans und Christof Ritter haben ein wunderbar detailreiches, liebevolles Drehbuch geschrieben, das von einer großen Zuneigung zu seinen Figuren und einer hemmungslos ausgelebten Nostalgie für diese besondere Zeit zeugt. Laura Fischer wiederum hat deren Vorlage mit Witz und Rhythmus, Timing und Gefühl toll in Szene gesetzt.K. ZECKAU