INTERVIEW

Er will nur spielen

von Redaktion

Martin Brambach über Improvisation als besondere Herausforderung, Werbespots und Popularität

„Man lebt von der Prominenz“: Martin Brambach (57) macht es nichts aus, auf der Straße erkannt zu werden. © Pleul/dpa

Lange spielte er nur kleinere Rollen in Kinofilmen und Krimiserien, größere Aufmerksamkeit als Charakterdarsteller erzielte er erst vor zehn Jahren mit dem preisgekrönten ARD-Politthriller „Der Fall Barschel“. Seitdem ist Martin Brambach einer der meistbeschäftigten deutschen Schauspieler, den sein Publikum vor allem als schrulligen Kommissariatsleiter im Dresdner „Tatort“ liebt. Nun wirkte der 57-jährige gebürtige Dresdner wieder in einer Improvisationskomödie von Jan Georg Schütte mit. Sie trägt den Titel „Die Hochzeit“ und läuft heute im Spätprogramm des Ersten.

„Man stürzt sich ins absolute Ungewisse“ – so beschreibt Anja Kling die Zusammenarbeit mit Regisseur Jan Georg Schütte. Haben Sie das auch so erlebt?

Exakt genauso, obwohl „Die Hochzeit“ schon unsere dritte Zusammenarbeit ist. Schüttes Serie „Wellness für Paare“ war vor rund zehn Jahren meine erste Improvisation überhaupt, ich war wahnsinnig aufgeregt, und das hat sich seither nicht geändert. Es gibt ja im Grunde nur einen Drehtag, und in der Nacht vorher schlafe ich nicht gut, denn es ist natürlich ein Wagnis. Man hat keine Ahnung, was auf einen zukommt. Außerdem ist es sehr anstrengend, weil wir acht Stunden am Stück drehen. Trotzdem ist es jedes Mal ein großartiges Erlebnis.

Es passiert wirklich alles ganz spontan?

Im Prinzip ja, aber bestimmte Ereignisse muss man vorher verabreden. Anja, Devid Striesow und ich spielen die gleichen Figuren wie in „Das Begräbnis“. Damals hat zwischen den Männern eine Rivalität begonnen, die nun in einem Zweikampf im Schwimmbecken gipfelt. Diese Szene ist sozusagen eine „geführte Improvisation“. Das Handgemenge war geplant. Dass ich dabei beinahe ertrinke, war improvisiert.

Ist Improvisation die höchste Kunst des Schauspiels oder vor allem ein großer Spaß?

Beides. Es lässt sich am ehesten mit unbeschwerten Rollenspielen von Kindern vergleichen, die mit großer Ernsthaftigkeit stundenlang Cowboy und Indianer spielen. Das ist das Einzigartige an diesen Serien, zumal wir ja chronologisch drehen. Das gibt es beim Film sonst nie, da fängt man oft mit dem Schluss an.

Sie haben in vielen Filmen und Serienfolgen mitgewirkt, sind ein „Tatort“-Star, und jetzt sind Sie auch noch in witzigen Werbespots zu sehen. Können Sie eigentlich noch in Ruhe zum Bäcker gehen?

Die Baumarktreklame hat tatsächlich eine ganz unerwartete Breitenwirkung entwickelt, sogar noch stärker als der „Tatort“. Ich höre regelmäßig, dass Leute Werbung im Fernsehen als störend empfinden, aber diese Spots gucken sie sich gern an. Es passiert immer wieder, dass mich jemand auf der Straße erkennt und ruft: „Meinen Sägen haben Sie!“.

Wird das nicht auf Dauer lästig?

Nein, ich finde das nicht unangenehm, es ist ja eine Form von Anerkennung, wenn Leute mich wahrgenommen haben und wiedererkennen oder ein Foto mit mir machen wollen. Als Schauspieler lebt man nicht zuletzt von der Prominenz.

Ist das ihr Erfolgsgeheimnis, dass die Menschen denken, Sie seien „einer von uns“?

Das würde ich jedenfalls als großes Kompliment empfinden. Jede Figur ist interessant, der Intellektuelle ebenso wie der einfache Mann von der Straße, und ich möchte alle so glaubhaft wie möglich darstellen. Wenn die Leute überzeugt sind, ich sei privat genauso wie die Rolle, die ich spiele, habe ich mein Ziel erreicht.

Kann sich jemand wie Sie aus einer Vielzahl von Angeboten die besten rauspicken?

Schön wär’s, die Angebotslage ist eher durchwachsen. Der deutsche Fernsehmarkt ist gerade in einer schwierigen Phase. ARD und ZDF stehen unter enormem Druck, weil sie sparen müssen. Im Kino sieht es nicht viel besser aus. Doch ich darf mich nicht beklagen, weil ich ein großes Privileg habe.

Weil Sie ein Star sind?

Nein, weil ich ein Mann bin. Für Frauen in meinem Alter gibt es kaum noch Rollenangebote. Aber es gibt auch viele tolle gleichaltrige Kollegen, die keine Engagements bekommen und nicht wissen, wie sie die Miete bezahlen sollen.

Sendehinweis:

Das Erste zeigt die sechsteilige Serie heute ab 22.20 Uhr an einem Stück sowie in der Mediathek.

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