Markanter Erzähler: Schauspieler Benno Fürmann.
Er war der tapfere Siegfried in der „Nibelungen“-Neuverfilmung und der fiese Indianer-Joe in „Tom Sawyer“, in der Serie „Babylon Berlin“ ist er als rechtsextremer Offizier von Anfang an dabei: Benno Fürmann (53). Doch der Schauspieler mit den durchdringend blauen Augen hat auch eine gute Stimme – nun ist er als Erzähler in der Reihe „Erlebnis Erde: Faszination Europa“ (ab heute, 20.15 Uhr, ARD) zu hören. Der Sechsteiler über die Natur Europas wurde drei Jahre lang an 50 Schauplätzen von Island bis zum Mittelmeer gedreht und gilt als aufwendigste bisher fürs deutsche Fernsehen produzierte Natur-Dokuserie.
Sie führen als Sprecher durch „Faszination Europa“. Sind Sie ein Fan von Naturdokus?
Ich war schon immer von Naturdokus fasziniert. Die betrunkenen Affen und Elefanten im Disney-Film „Die lustige Welt der Tiere“ zählen sogar zu meinen frühesten Kindheitserinnerungen, und als ich angefangen habe, zusammen mit meiner Tochter Fernsehen zu schauen und wir oft keine Schnittmenge beim Filmgeschmack gefunden haben, waren Naturdokus immer der gemeinsame Nenner.
Sie waren außerdem für eine Ostsee-Doku unterwegs, haben das Natur-Buch „Unter Bäumen“ veröffentlicht. Wollen Sie wie Ihr Kollege Hannes Jaenicke eine Stimme für Naturschutz werden?
Es ist mir ein Anliegen, Menschen zu sensibilisieren, weil ich es bedenklich finde, dass angesichts der vielen Krisen, die wir haben, unsere akuten Klima-Probleme aus der Presse verschwunden sind. Die Umstände, in die wir uns hineinmanövriert haben, werden sich ja nicht verbessern, im Gegenteil. Alles, was uns die Fragilität der Natur und unsere Verantwortung dafür näherbringt, ist wichtiger denn je.
Die These der Reihe ist, dass Europas Natur unterschätzt wird. Würden Sie das unterschreiben?
Das sehe ich nicht erst seit dieser Doku so. Die Natur hat so viele unterschiedliche Gesichter, und in Europa haben wir so viele spektakuläre Dinge direkt vor der Haustür. Vor Kurzem war ich in Südtirol, da konnte ich Steinböcke beobachten. Wenn man weiß, dass eine Handvoll Waldboden mehr Mikroorganismen beheimatet, als die Welt Menschen hat, ist doch im Grunde alles gesagt.
Lernt man denn etwas dazu, wenn man den Kommentar zu einer solchen Serie beisteuert, oder konzentriert man sich zu sehr aufs Sprechen?
Ich lerne dazu, und das finde ich ganz toll. Dass wir in Europa den persischen Leoparden haben, wusste ich zum Beispiel nicht – im Kaukasus gibt es noch einige wenige wild lebende Exemplare, und unserem Team ist es als erstem überhaupt gelungen, diesen europäischen Leoparden zu filmen. Da bekomme ich beim Sprechen natürlich vor lauter Staunen Riesenaugen.
Drei Jahre dauerten die Dreharbeiten. Wären Sie gerne dabei gewesen?
Kommt darauf an. Die eindrucksvollen Rothirsche in den schottischen Highlands, so ungemütlich es dort wohl auch war, hätte ich schon gerne gesehen. Manche Sachen beobachte ich aber lieber von der Couch oder von meinem Sprecherpult aus, als dass ich persönlich vor Ort bin. Einen Eisbären aus nächster Nähe zu sehen, darauf kann ich verzichten.
Was war Ihr tollstes Naturerlebnis?
Ich bin vor vielen Jahren vor den Galapagos-Inseln mit sieben Meter großen Hammerhaien getaucht, das war schon kolossal. Den Himalaja zu besuchen gehört zu den eindrücklichsten Erlebnissen, die ich gehabt habe, oder meine erste Safari in Uganda: Nachts im Jeep, man sieht die Hand nicht vor Augen, aber überall im Dunkeln sind Augen, die dich beobachten – das war schon spannend.
Lassen Sie uns noch über die Serie „Babylon Berlin“ reden, in der Sie Günter Wendt spielen, den skrupellosen Chef der Politischen Polizei. Sind Sie in der finalen fünften Staffel wieder mit dabei?
Ja, ich bin wieder dabei. Ich spiele diesen Wendt sehr gerne, weil er ambivalent ist, sehr wendig im Kopf, sehr rigoros im Verfolgen seiner Ziele. Es macht mir großen Spaß, aber ob ich die Figur vermissen werde, kann ich noch nicht sagen. Wendt ist ja alles andere als ein weicher Charakter (lacht).
Sind Sie mit dem Dreh schon fertig – und wann ist die Ausstrahlung?
Wir hatten ein paar Verschiebungen und drehen noch bis November. Wann die Ausstrahlung ist, weiß ich selber noch nicht.