Du bist nicht allein

von Redaktion

ZDF, 3sat und Arte holen das Thema Depressionen aus der Tabuzone

Bei Kaiserin Sisi sprach man noch von „schwerer Melancholie“. Als „Besuch vom schwarzen Hund“, beschrieb der ehemalige britische Premierminister Winston Churchill seine langen Phasen der Niedergeschlagenheit und auch Deutschlands Ex-Kanzler Konrad Adenauer hatte die „bleierne Schwermut“ fest im Griff. Heute leiden in Deutschland rund zehn Millionen Menschen an Depressionen und mit ihnen zahlreiche Angehörige, die sich hilflos fühlen. „Als öffentlich-rechtlicher Sender ist es unsere Verantwortung, dieses wichtige Thema aus der Tabuzone zu holen“, sagt ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten. Mit dem umfangreichen Programmschwerpunkt „Psychisch stark – Wege aus der Depression“ und der Unterstützung von 3sat und Arte setzt der Mainzer Sender im herbstgrauen Oktober ein Zeichen. Eine sehenswerte Auswahl der Filme und Beiträge, die ab heute in der ZDF-Mediathek verfügbar sind, stellen wir Ihnen hier vor.

„Von uns wird es keiner sein“

Eine anonyme Suizidankündigung, prominent platziert in den Sozialen Netzwerken, versetzt ein Gymnasium in den Notfallmodus. Ernst nehmen oder ignorieren? Eine Frage, die nicht nur die vier Abiturienten Waldi (Lukas von Horbatschewsky), Mina (Derya Akyol), Tom (Kosmas Schmidt) und Julia (Mina-Giselle Rüffer) bewegt, sondern auch das Kollegium spaltet. Das TV-Drama „Von uns wird es keiner sein“ findet starke Bilder für den seelischen Druck, der auf Schülern und Lehrern lastet. Bemerkenswert ist vor allem die schauspielerische Leistung der jungen Clique, die zwischen Selbstfindung, Notenstress und privaten Problemen feststellen muss, dass sie sich weniger gut kennt als erwartet. Regisseur Simon Ostermann gelingt ein berührendes TV-Drama, das sich dem Thema Depressionen gleich von mehreren Seiten nähert. „Von uns wird es keiner sein“ ist ab heute in der ZDF-Mediathek verfügbar und wird am 20. Oktober um 20.15 Uhr im linearen Fernsehen ausgestrahlt.

37 Grad: Lebensmüde und Hoffungsvoll

In der Altersgruppe der 15- bis 29-Jährigen gehört Suizid zu den häufigsten Todesursachen. Auch Monja (26) und Arthur (23) wollten ihrem Leben schon ein Ende setzen. In der 37-Grad-Reportage „Lebensmüde und Hoffnungsvoll“ schildern sie Filmemacherin Annette Schreier sehr persönlich, wie sie sich aus ihren Tiefs herausgekämpft haben. Leistungsdruck, das Gefühl, nicht zu genügen, private Rückschläge – beide Protagonisten wollen anderen Betroffenen zeigen, dass es Wege aus der Krise gibt und warum es sich lohnt, niemals aufzugeben. Die Reportage ist ab heute in der ZDF-Mediathek verfügbar.

Terra Xplore: Jan Ullrich – Hochleistung trotz Depression?

Antriebslos, müde, leer und traurig – so fühlen sich viele depressive Menschen. Doch die Krankheit hat auch andere Gesichter. Viel zu spät habe er erkannt, dass er dringend Hilfe brauche, sagt der ehemalige Radprofi Jan Ullrich im Gespräch mit Psychologe Leon Windscheid. Nach seiner Karriere fiel der Tour-de-France-Sieger in ein tiefes mentales Loch und war dennoch voll auf Leistung programmiert. Von „hochfunktionaler Depression“ wird gesprochen, wenn Betroffene trotz großer Leere Vollgas geben. Oft können diese Menschen ihre Traurigkeit gut verstecken. „Wer früh gelernt hat, immer nur stark zu sein, übergeht oft die eigenen Gefühle“, erklärt die Psychologin Eva-Lotta Brakemeier von der Universität Greifswald. An Ullrichs Beispiel erklären Fachleute, wie es zur sogenannten „Smiling Depression“ kommt und warum es so wichtig ist, offen über sie zu sprechen. „Jan Ullrich – Hochleistung trotz Depression“ aus der Reihe Terra Xplore ist in der ZDF-Mediathek verfügbar und wird am 19. Oktober um 17.15 Uhr im Zweiten ausgestrahlt.

Nano: Depression bei Männern – Aggression statt Traurigkeit

Frauen sind etwa doppelt so häufig von Depressionen betroffen wie Männer. Fakt ist aber auch, dass die Krankheit bei letzteren seltener entdeckt wird. Betroffene scheuen sich oft, Schwäche zu zeigen und Hilfe zu suchen. Nicht selten äußern sich Depressionen bei Männern mit Symptomen wie Wut und Gereiztheit, Anspannung und Aggressivität. Das 3sat-Magazin „Nano“ schenkt diesem Aspekt besondere Aufmerksamkeit und versucht Lösungswege aufzuzeigen. Heute um 18.30 Uhr bei 3sat und ab sofort in der Mediathek.

Männer und Depression – das stumme Leiden

Auch Arte widmet sich im Film von Ole Neugebauer dem Umstand, dass explizit männliche Depressionen zunehmend in den wissenschaftlichen Fokus geraten. Hyperaktivität als Ventil, exzessives Arbeiten und Sporttreiben können erste Symptome für die Krankheit sein. Spannend sind aber vor allem die neuen Erkenntnisse aus der Diagnostik. Ab heute in der Arte-Mediathek und am 18. Oktober um 21.45 Uhr im linearen Fernsehen.ASTRID KISTNER

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