Das Inferno ist erst der Anfang

von Redaktion

„Hundertdreizehn“ schildert die Folgen eines Unfalls für alle Beteiligten

Ermittler: Polizist Jan Auschra (Robert Stadlober).

Überlebt: Clara Eweleit (Friederike Becht) wird von Rettungskräften versorgt.

Ein Reisebus gerät auf die Gegenfahrbahn und fängt Feuer – was dann passiert, schildert die Dramaserie „Hundertdreizehn“ . Dabei steht weniger das Geschehen selbst im Mittelpunkt, es geht vielmehr um die Schicksale von Opfern, ihren Angehörigen, zufälligen Zeugen und auch von Helfern, die auf der Stadtautobahn mit Leichen, traumatisierten Verletzten und ausgebrannten Fahrzeugwracks konfrontiert werden. Die von Regisseur Rick Ostermann mit viel Fingerspitzengefühl inszenierte deutsch-österreichische Koproduktionist nach dem Start in der ARD-Mediathek (wir berichteten) heute und morgen im Ersten zu sehen.

Das Inferno stellt die Ermittler, Anne Goldmundt (Lia von Blarer) und Jan Auschra (Robert Stadlober) vor ein Rätsel. Warum ist Busfahrer Theo Gradtke (Felix Kramer) auf die Gegenfahrbahn geraten und – warum hat der erfahrene Profi nicht gebremst, sondern sogar noch Vollgas gegeben? Um zu Ergebnissen zu kommen, werten die Ermittler sämtliche Spuren aus. Das Wrack des Busses wird genau untersucht, es werden Videoaufnahmen ausgewertet und Zeugen befragt.

Als Gradtkes Leiche wie die zahlreicher anderer Unfallopfer identifiziert werden soll, erleben Auschra und Goldmundt eine Überraschung, als gleich zwei Frauen behaupten, sie seien die Lebensgefährtin des Busfahrers. Der Mann führte sowohl mit Riccarda Hövemann (Anna Schudt) als auch mit Carolin Novak (Patricia Aulitzky) eine eheähnliche Beziehung und hatte mit beiden Frauen überdies auch jeweils eine Tochter im Teenageralter.

Hat das Doppelleben Gradtkes möglicherweise etwas mit dem Unfall zu tun? Diese Frage beantwortet die aufwendig inszenierte Serie erst in der sechsten und letzten Folge, und bis es so weit ist, dienen die Ermittlungen als dramaturgische Klammer für all die anderen tragischen Geschichten rund um den Unfall. Die zweite Folge beispielsweise widmet sich dem an beginnender Demenz leidenden Unternehmer Richard Born, beeindruckend gespielt von Armin Rohde, der das Busunglück von seinem Büro aus beobachtet hat. Eine andere Episode dreht sich um den Feuerwehrmann Jesper Lohbrink (Max von der Groeben), den die Rettungsarbeiten mit einem alten Trauma konfrontieren.

Die Idee für den Sechsteiler kam Drehbuchautor Arndt Stüwe („Im Abgrund“), als er vor ein paar Jahren einen Artikel über eine Studie des Bundesverkehrsministeriums las, der zufolge durchschnittlich 113 Menschen mehr oder weniger stark mit den Folgen eines Verkehrsunfalls mit tödlichem Ausgang konfrontiert sind. Gedreht wurde die ARD-Miniserie, die zweifellos ein Höhepunkt des Fernsehjahres ist, in Köln, Wien und auf einem abgesperrten Teilstück der Berliner Stadtautobahn, wo die Katastrophe eindrucksvoll nachgestellt wurde.MARTIN WEBER

Sendehinweis

Das Erste zeigt die Teile eins bis
drei heute ab 20.15 Uhr, die Teile vier bis sechs folgen morgen ebenfalls ab 20.15 Uhr.

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