Wenn das Opfer mit dem Täter…

von Redaktion

Andrea Sawatzki und Christian Berkel glänzen in der Komödie „Entführen für Anfänger“

Gemeinsame Sache: Lansky (Christian Berkel, li.) und Evelyn Moser (Andrea Sawatzki) haben Rob Moser in ihrer Gewalt.

Vertauschte Rollen: Adam Lansky (Christian Berkel) hat Evelyn Moser (Andrea Sawatzki) entführt, doch längst sagt das Opfer dem Täter, wo es langgeht. © Silvio Guiman/Degeto

Es passiert, als sie aus einem Sektglas trinkt – die glamouröse Evelyn Moser (Andrea Sawatzki) bekommt auf einem Empfang heimtückisch K.-o.-Tropfen verabreicht. Die langjährige Ehefrau des Schönheitschirurgen Rob wankt aus dem Saal, steigt in ein Taxi – und wird gekidnappt. So beginnt der Fernsehfilm „Entführen für Anfänger“, der heute zur besten Sendezeit im Ersten läuft. Es ist der dritte Film einer losen Reihe, die bereits „Scheidung für Anfänger“ (2019) und „Sportabzeichen für Anfänger“ (2021) umfasst. Die Hauptrolle neben Sawatzki spielt erneut Christian Berkel, die beiden sind auch privat ein Paar.

Entführer Adam Lansky (Berkel) hat ebenfalls in der Firma gearbeitet, bis ihm nach fast 40 Jahren als Buchhalter gekündigt wurde. Nun will er sich rächen und dabei auch noch finanziell profitieren. Doch der unerfahrene Kidnapper hat die Rechnung ohne den skrupellosen Ehemann Evelyns (Fritz Karl) gemacht. Denn der eitle Doktor geht keineswegs auf die Lösegeldforderung ein, weil er mit Evelyns Nachfolgerin Lene (Hedi Honert) auch privat zusammen sein will. Die Influencerin spioniert ihm allerdings ebenso nach wie seine Tochter Sophie (Shadi Hedayati), die auf das Firmenerbe und einen millionenschweren Deal mit neuen Partnern scharf ist.

Lansky stellt sich selten dämlich an, sodass Evelyn Moser sich rasch aus ihren Fesseln befreien kann. Die Opferrolle liegt ihr einfach nicht, außerdem wird ihr schnell klar, dass ihr treuloser Gatte sie loswerden will. So macht sie mit Lansky gemeinsame Sache. Als Team wollen sie die Konten des aalglatten Firmenchefs in Übersee leer räumen. Rob Moser hat obendrein allerhand „Kunstfehler“ begangen, die er zu vertuschen versucht. Auch daraus wollen sie Kapital schlagen.

Die Rolle der entführten Ehefrau, die den Spieß einfach umdreht, wirkt wie zugeschnitten auf Andrea Sawatzki („Familie Bundschuh“) – mitsamt perfekten Perücken und Kostümen. Auch Christian Berkel überzeugt als schusseliger Entführer mit falschem Haar und angeklebtem Bart. Seine Maske war offenbar so gut, dass ihn einmal während der Dreharbeiten nicht einmal seine Ehefrau erkannte, wie sie in einem Interview verriet. Sie habe den Aufnahmeleiter zu Hilfe geholt, weil sie vermutet habe, ein Fremder halte sich im Wohnwagen ihres Mannes auf.

Autor Christian Jeltsch und Regisseur Hans Hofer schildern – mit kleinen logischen Schwächen – sehr unterhaltsam und humorvoll, wie zwei völlig unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen, sich irgendwie zusammenraufen, einen tollkühnen Plan schmieden und dann in wahrlich haarsträubende Situationen geraten. Das schrammt mehrfach knapp an der Klamotte vorbei, doch insgesamt macht das Zuschauen einfach Spaß – und führt obendrein zu der Erkenntnis, dass eine erfolgreiche Entführung auch gelernt sein will.KLAUS BRAEUER

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