Der große Grobian

von Redaktion

Der geniale Gitarrist, Songwriter und Querkopf Neil Young wird 80 Jahre alt

Erlösung durch Lärm: Neil Young auf der Bühne. © epd

Eigentlich wollte Neil Young als Kind ja Bauer werden. Das passt. Ein hart arbeitender, grantiger Landwirt, der mit seinem alten Lanz keinen Bauern-Protest auslässt. So wie es gekommen ist, wurde Young aber einer der wichtigsten Musiker der Rockgeschichte. Statt knatterndem Bulldog bedient er eine Gitarre, der er ein Dröhnen entlockt wie sonst niemand. Heute feiert er seinen 80. Geburtstag.

Es gibt wenige Songwriter, die auch an ihrem Instrument eine regelrechte Schule begründeten. In Youngs Fall war es die Schule der Grobschlächtigkeit: Generationen von Gitarristen ließen seinetwegen das virtuose Gefrickel bleiben und versuchten, jenes flirrende Feedback-Gewitter zu erzeugen, das er in „Like a Hurricane“, „Cortez the Killer“ und „Cowgirl in the Sand“ vormachte. Der Islamwissenschaftler Navid Kermani rückt Youngs fiebriges Spiel in die Nähe der Sufis, die sich in ihrem Tanz verlieren und so dem paradiesischen Urzustand am nächsten kommen. Wer den Gitarristen jemals auf der Bühne in die Saiten dreschen sah, weiß, was gemeint ist: Erlösung durch Lärm.

Auf seinem Weg schlug er mehr Haken als die meisten anderen Musiker. Neil Young ist Woodstock-Ikone, Folk-Poet, Punk-Pate und Country-Querkopf zugleich – Inbegriff des trendresistenten, aufrechten Rockers. Im kanadischen Toronto geboren, zeigte der 1,90-Schlacks früh ein Faible fürs Morbide, vielleicht weil eine Polio-Infektion ihn beinahe das Leben gekostet hätte. Mit einem Leichenwagen fuhr er Mitte der Sechziger nach Kalifornien, wo er die Band Buffalo Springfield mitgründete und später Crosby, Stills & Nash beitrat. Als Elder Statesman aller Unangepassten galt er spätestens, als sich Zeilen aus seinem Song „Hey, Hey, My My“ („It’s better to burn out than to fade away“) im Abschiedsbrief des Sängers Kurt Cobain fanden, der sich 1994 umgebracht hatte.

Seine Meinung hat Neil Young immer gesagt. Kein Rocker außer Bruce Springsteen attackiert Donald Trump so hart wie er. So hart, dass seine Frau Daryl Hannah nach seiner jüngsten Europa-Tour schon um seine Wiedereinreise fürchtete. Neuer Technik verschloss er sich nie – vor allem, wenn sie dem Umweltschutz diente: So rüstete er seinen alten Straßenkreuzer zu einem Elektroauto um. Dem umstrittenen Agrarkonzern Monsanto widmete er ein ganzes Konzeptalbum.

Denn Bauer ist Neil Young zu guter Letzt doch noch geworden. Auf seiner Ranch bei San Francisco züchtet er Pferde und Büffel, sammelt Modelleisenbahnen und vor allem alte Autos. Hauptsache, es dröhnt.JOHANNES LÖHR

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