Krisentreffen: Herbert Grönemeyer (vorne) mit (hi. v. li.) Wolfram Weimer, Christopher Annen und Balbina. © dpa
Herbert Grönemeyer hat im Kanzleramt deutliche Worte über die derzeitige Vermarktung von Musik über die großen Streaming-Plattformen gefunden. „Das ist ein System für Doofe“, sagte er am Donnerstagnachmittag nach einem Treffen mit Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos), an dem unter anderem Peter Maffay, Annett Louisan, Balbina, der Rapper Maeckes und Christopher Annen von AnnenMayKantereit teilgenommen hatten.
Das Geld, das Spotify-Abonnenten monatlich zahlen, komme nur zum minimalen Teil den Musikerinnen und Musikern zugute, die der Abonnent tatsächlich höre, sagte Grönemeyer. Wenn jemand eine Platte von ihm auf Spotify höre, erhalte er dafür gerade einmal zwei Cent. Die restlichen 9,98 Euro der üblichen Monatsgebühr gehe in einen großen Topf für jene Künstler, die die meisten Klicks hätten. Also hauptsächlich Mega-Stars wie Taylor Swift oder Macher von „Brainrot“-Songs, die in Kinderzimmern so beliebt seien. „Wer die meisten Klicks hat, hat gewonnen“, sagte Grönemeyer.
Doch geraten so laut dem Deutschrockstar Künstler, aber auch mittelständische Unternehmen, die ernsthaft Musik produzieren und vertreiben, in die wirtschaftliche Schieflage. Benachteiligt würden dabei auch Ältere. Denn Kinder und Jugendliche, die mehr Zeit zum Streamen hätten, bestimmten die Charts.
Eine bislang noch wenig beachtete Rolle spiele auch das Darknet: „Dort lassen sich Klicks kaufen“, sagte Grönemeyer. „Diese Klicks ermöglichen enorme Geldwäsche im System. Ich nehme mein Schwarzgeld für meinen Künstler, kaufe ihm Klicks im Darknet. Der wird zum Star, der wird angeklickt, und ich kriege offizielles Geld wieder zurück.“
Der Kulturstaatsminister versprach derweil Hilfe auf dem Weg zu fairen Vergütungen bei Streamingdiensten. Zunächst soll es Anfang 2026 im Kanzleramt Verhandlungen der Künstler mit Streamingplattformen und Plattenlabels geben. Er wolle vermitteln, sagte Weimer. „Wir wollen mehr Transparenz im System.“ Notfalls könnte der Gesetzgeber eingreifen, etwa über das Steuerrecht.
Nach Angaben des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien äußerten sich in einer Umfrage drei von vier Musikschaffenden unzufrieden mit ihren Einnahmen aus Musikstreaming. 2023 entfielen demnach 75 Prozent der Umsätze auf 0,1 Prozent der Künstlerinnen und Künstler. Umgekehrt erzielten 68 Prozent der Musikschaffenden weniger als 1 Euro Umsatz. „Wir haben hier ein Problem, so können wir das nicht laufen lassen“, sagte Weimer. „Bitte redet miteinander und einigt euch. Und wenn das am runden Tisch gelingt, dann ist das sehr schön. Wenn nicht, dann müssen wir über solche Maßnahmen reden.“LÖ/DPA