INTERVIEW

Der Kopf hinter den Kommissaren

von Redaktion

Der Autor Alexander Adolph hat Falkes neuen „Tatort“-Partner erfunden

Er hat Eva Prohacek erfunden, die von Senta Berger so wunderbar gespielte Kommissarin aus „Unter Verdacht“, außerdem die Krimireihe „Marie Brand“ mit Mariele Millowitsch, das Team aus „München Mord“ und auch das geniale Frankfurter „Tatort“-Duo Nina Kunzendorf und Joachim Król. Kurzum: Der Münchner Autor und Regisseur Alexander Adolph ist so etwas wie der Vater vieler großartiger Ermittlerfiguren im deutschen Fernsehen.

Mario Schmitt, der von Schauspieler Denis Moschitto verkörperte neue Partner von „Tatort“-Kommissar Falke (Wotan Wilke Möhring), der am Wochenende zum ersten Mal zu sehen ist, geht auch auf seine kreative Kappe. Wir sprachen mit Adolph (60) über diese Figur und die Premiere des neuen Teams, die die ARD gleich mit einer Doppelfolge feiert. „Ein guter Tag“ und „Schwarzer Schnee“ laufen am Sonntag direkt hintereinander.

Wie erfindet man einen neuen „Tatort“-Ermittler?

(Lacht.) Das ist eine gute Frage, da muss ich kurz überlegen. Man denkt sich einen Menschen aus, den man gerne kennenlernen würde, weil er irgendwie besonders ist. Man mag Menschen ja nicht, weil sie schön sind oder superklug, sondern man wegen ihrer Schwächen und ihrer Besonderheiten. Und darum geht es meiner Kollegin Eva Wehrum und mir, wenn wir uns neue Figuren ausdenken. Und darum, wie sie mit anderen Charakteren harmonieren – oder auch nicht.

Der Mario Schmitt hat einige Besonderheiten. Er hat zum Beispiel ständig Kopfhörer im Ohr, „Denkmusik“, wie er das nennt.

Ja, er ist anders als andere. In gewisser Weise unterläuft er auch ein stereotypes männliches Verhalten, er will gerne für sich sein. Das ist nervig für die Mitmenschen, aber es gibt diesen Moment im Film, wo man begreift: Der ist doch toll. Der muss so sein, der braucht diese Eigenheiten, um zu arbeiten.

Hatten Sie Denis Moschitto schon als Schauspieler im Kopf, als Sie das Buch geschrieben haben?

Nicht sofort. Aber wir im Team hatten alle den Film „Schock“ gesehen, für den Denis Moschitto ja nicht nur als Hauptdarsteller vor der Kamera stand, sondern auch das Buch geschrieben und Regie geführt hat. Er hat so viele Facetten und gibt dem Mario Schmitt eine Wärme, die für die Rolle wichtig ist. Seine Figur kann sich viel erlauben, ohne dass man ihr böse ist.

Wenn man sich die ersten beiden Folgen des Duos anschaut, dann hofft man angesichts der großen Brutalität, dass Sie sich das meiste ausgedacht haben. Es geht um die Mocro-Mafia, um Drogen-Kartelle, einen verdeckten Ermittler, um jugendliche Auftragsmörder… Aber es steckt viel Wahres drin.

Die Dinge, die wir beschreiben, sind wahrhaftig, das würde ich schon sagen In der Realität sind an solchen Fällen deutlich mehr Ermittler beteiligt als in einem Fernsehkrimi – und leider auch eine größere Zahl von Tätern. Die konkrete Verortung der Geschichte nach Delfzijl und Groningen in den Niederlanden bzw. nach Emden ist natürlich fiktiv. Dass ständig nach neuen Wegen für den Drogenschmuggel und sicher auch über das Wasser gesucht wird, ist indes Realität.

Wie haben Sie recherchiert?

Wir haben mit sehr vielen Leuten gesprochen, mit Ermittlern, mit Kommissaren, mit Leuten aus der Justiz, dem Grenzzoll, sogar mit einem verdeckten Ermittler hatten wir Kontakt. Wir haben die Bundespolizei begleitet und Autos verfolgt, die über die Grenzen fahren wollten. Nur mit echten Kriminellen haben wir nicht viel gesprochen.

Woran lag‘s?

Das ist immer so eine Sache. Es gibt schon Menschen, mit denen man sprechen kann. Aber oft hat man es dann mit einer gewissen Form von Eitelkeit zu tun, die man aushalten können muss. Diejenigen, die reden wollen, sind sehr stolz auf das, was sie tun.

Die Geschichte endet so, dass eine Fortsetzung denkbar wäre.

Das sehe ich natürlich genauso und es würde mich freuen. Aber das entscheidet die Redaktion.

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