„TATORT“-KRITIK

Starker Einstand

von Redaktion

Das neue Gespann um Falke funktioniert

Gutes Duo: Schmitt (Denis Moschitto) und Falke (Wotan Wilke Möhring, li.). © NDR

Für komplexe Mafia-Geschichten, die im Rahmen eines „Tatorts“ erzählt werden, reichen keine 90 Minuten. Das war schon 2020 bei „In der Familie“ so, der Jubiläumsfolge zum 50. Jahrestag der ARD-Krimireihe, die erst in Dortmund, dann in München spielte. Und das war auch am gestrigen Sonntag so: Der erste Fall, den Bundespolizist Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) mit seinem neuen Partner Mario Schmitt (Denis Moschitto) löste, wurde als Doppelfolge ausgestrahlt – 180 Minuten am Stück. Sie haben sich gelohnt: „Ein guter Tag“ und „Schwarzer Schnee“ sind rasant erzählte Krimis, so gut recherchiert wie in sich schlüssig geschrieben von Autor Alexander Adolph und ebenso überzeugend inszeniert von Regisseur Hans Steinbichler.

Gleich die erste Szene setzt die Tonalität in Sachen Brutalität, die diesen beiden Krimis zu eigen bleiben wird. Blutüberströmt liegt da ein Mann am Boden auf einem Campingplatz in den Niederlanden und wird, er lebt noch so grade, aus der Hütte hinausgeschleift. Es stellt sich raus: Der Mann ist Deutscher, arbeitet als verdeckter Ermittler – und gerät im Lauf der Ermittlungen selbst unter Verdacht, zur Mocro-Mafia und ihrem gefürchteten Chef, dem inhaftierten Ahmed Saidi, übergelaufen zu sein.

Der rumänisch-schweizerische Schauspieler Andrei Viorel Tacu ist eine echte Entdeckung. Er verleiht seiner Figur das Rätselhafte und Undurchsichtige, dem der Film einen großen Teil seiner Spannung verdankt. Überhaupt das Ensemble: Sascha Alexander Gersak als Gastronom mit guten Kontakten in die Drogen-Szene ist so schmierig wie schmerzbefreit, Sebastian Hülk gibt den koksenden Stadtpolitiker ebenfalls glaubwürdig, den jugendlichen Auftragsmördern stehen Verzweiflung und Skrupellosigkeit gleichermaßen ins Gesicht geschrieben – und Mario Schmitt ist ein Gewinn an Falkes Seite. Sollte es für die beiden weitere Fälle mit Bezug zu den Niederlanden geben – Gaite Jansen darf ihre Rolle als Kommissarin Lynn de Baer auch gern wieder spielen. Insgesamt ein starker Einstand für das neue Duo, wenngleich ohne vorweihnachtlich-besinnliche Stimmung.S. THYSSEN

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