Originalzeichnungen, Manuskripte und Drehbücher sowie persönliche Gegenstände werden nun katalogisiert. © Albert/dpa
Nie war mehr Lametta am Main – die Erben des legendären Humoristen Loriot haben entschieden, seinen Nachlass dem Frankfurter Caricatura-Museum für Komische Kunst zu überlassen. Wieso Frankfurt? Denn Loriot wurde weder in Frankfurt geboren, noch lebte er in dieser Stadt. Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow – wie der Künstler eigentlich hieß – kam 1923 in Brandenburg an der Havel zur Welt und starb 2011 in Ammerland am Starnberger See, wo die Familie von Bülow seit 1963 wohnte.
Die Verbindung zu Frankfurt war eher eine geistige, wie Caricatura-Leiter Martin Sonntag sagt: „Die Neue Frankfurter Schule und Loriot waren und sind inhaltlich nicht weit voneinander entfernt“. Der Nachlass dieser Künstlergruppe um F. W. Bernstein und Robert Gernhardt bildet den Grundstock der Sammlung des Museums, das neben dem Dom im historischen Leinwandhaus untergebracht ist. Mit Loriot in Frankfurt wachse nun zusammen, was zusammengehöre, findet Sonntag: „Wir können jetzt die führenden Komikschulen der Nachkriegszeit zusammenführen.“
Dass die Erben sich für Frankfurt entschieden haben, hat mit Loriots 100. Geburtstag im Jahr 2023 zu tun. Das Museum hatte damals eine große Jubiläumsausstellung präsentiert, die seither durch Deutschland tourt. Dabei sind Kontakte entstanden. „Wir haben als Familie das Gefühl, dass sich die Werke und persönlichen Stücke wirklich in guten Händen befinden“, sagte Leo von Bülow-Quirk, der Enkel Loriots und Sprecher der Familie, bei der Verkündung der Entscheidung im November.
Zum Nachlass gehören rund 3000 Originalzeichnungen wie die „Herren im Bad“, Manuskripte und Drehbücher wie für „Die Nudel“, Filmrollen zum Beispiel von „Pappa ante Portas“, Zeichentrickfilme wie „Das Frühstücksei“ sowie persönliche Gegenstände wie seine Pfeifensammlung. Nach Frankfurt umgezogen ist auch das komplette Inventar von Loriots Arbeitszimmer – wie etwa der Schreibtisch, an dem er fast sein ganzes Leben lang gezeichnet und geschrieben hat, und eine umfangreiche Plattensammlung.
Der erste Schritt wird sein, den Nachlass zu inventarisieren. Museumsdirektor Sonntag erwartet, dass das „einige Jahre“ dauern wird. Derzeit ist das Material in einem städtischen Museumsdepot unter Verschluss. Das soll aber nicht so bleiben. Während die Fachleute archivieren, katalogisieren und dokumentieren, könnten erste ausgewählte Stücke in „Pop-up-Ausstellungen“ gezeigt werden. Langfristig soll der Meister ein eigenes Museum bekommen. Die entsprechenden Räumlichkeiten werden nach Angaben der Stadt derzeit allerdings noch gesucht. Bis die vielen Fans aus aller Welt Loriot in seinem neuen Zuhause treffen können, wird es daher wohl noch einige Jahre dauern.SANDRA TRAUNER