Neue Zeit, alte Probleme

von Redaktion

Das ZDF zeigt ab heute die vierte Staffel der „Ku‘Damm“-Reihe, die in den Siebzigern spielt

Angespanntes Verhältnis: Monika (Sonja Gerhardt) und ihre Tochter Dorli Schöllack (Carlotta Bähre). © Klein/ZDF

Die Frauen der Tanzschule Galant sind zurück: Im Bild die Schauspielerinnen Claudia Michelsen, Maria Ehrich und Sonja Gerhardt sowie – neu im Cast – Marie Louise Albertine Becker und Massiamy Diaby (v. li.). © Albert/dpa

Sie sind wieder da – die Frauen der Tanzschule Galant am Berliner Kurfürstendamm. Das ZDF legt die vierte Staffel der Kult-Reihe „Ku‘Damm“ vor: Heute, morgen und am Mittwoch läuft sie als Dreiteiler im Fernsehen und ist schon in der ZDF-Streamingplattform zu sehen.

Im Zentrum weiterhin: Tanzschul-Chefin und Matriarchin Caterina (Claudia Michelsen), flankiert von ihren Töchtern Monika (Sonja Gerhardt), Helga (Maria Ehrich) und Eva (Emilia Schüle). Doch jetzt ist die Enkelinnen-Generation dran; Monikas Tochter Dorli (Carlotta Bähre) ist auf dem Weg zur Profitänzerin, Helgas Tochter Friederike (Marie Louise Albertine Becker) will Polizistin werden.

Wir sind im Jahr 1977 gelandet: Der zeitliche Abstand ist damit deutlich größer als bei den bisherigen Teilen, die in den Jahren 56, 59 und 63 angesiedelt waren. Was ist seitdem passiert? Das Drehbuch behilft sich damit, dass eine Dokumentarfilmerin auftaucht, die über die Familie dreht – und immer wieder Interviews führt mit den Protagonistinnen, die dabei aus der Vergangenheit erzählen. Das ist zunächst eine gewöhnungsbedürftige Perspektive, aber schnell wird klar, dass die Filmemacherin Lisa (Massiamy Diaby) viel, viel enger mit der Familie verbunden ist, als es zunächst scheint. Wobei die Verstrickung am Ende, so viel sei verraten, nur halbherzig aufgelöst wird.

Häusliche Gewalt, rigide Moralvorstellungen, Vergangenheitsbewältigung, vergebliche Kämpfe um Freiheit und Emanzipation – von Anfang an zogen sich diese Themen durch die „Ku‘damm“-Filme, verwoben mit der Zeitgeschichte. Auf ernüchternde Art und Weise zeigt die aktuelle Staffel: Nur wenig ist besser geworden in all den Jahren. Friederike will zur Polizei? Sie muss sich sexistische Sprüche anhören und lernen, dass sie nicht wirklich willkommen ist. Helga, in der ersten Staffel unglücklich mit einem schwulen Juristen verheiratet, verliebt sich neu in einen Zahnarzt (Florian Stetter). Der entpuppt sich aber als manipulativer Frauen-Schläger. Neu dabei: Rassismus, den die dunkelhäutige Lisa erfährt; Drogenmissbrauch – Dorli bekommt von ihrem Tanzpartner Aufputschmittel angedreht und entgeht nur knapp dem Tod. Dabei ist auch das Verhältnis zwischen Dorli und Mutter Monika enorm komplex.

Und es kommt zu einer Rückkehr in den Cast, die zunächst rätselhaft ist, sich dann aber schnell auflöst: Sabin Tambrea, als Monikas Ehemann Joachim einst gestorben, ist wieder dabei. Aber nicht als auferstandener Joachim, sondern als braver Lehrer Herr Beck, der aber tatsächlich jemand anderes ist… Überhaupt ist manches komplizierter, als es scheint. Diese Reflexionen, Blicke hinter Fassaden, die eigentlich längst bröckeln, haben bereits bisher die Stärke der „Ku‘damm“-Filme ausgemacht.

Die renommierte Drehbuchautorin Annette Hess, die schon für die ersten drei Reihen-Teile verantwortlich war, hat auch diese Reise in die Siebzigerjahre konzipiert. Regie führte Maurice Hübner. Alles bleibt so schwer, wie es ist, auch wenn die Musik moderner wird, die Mäntel bunter? Am Ende treten die Protagonistinnen und Protagonisten noch einmal vor Kamera und Mikro. Es sind tröstliche Szenen. Und zum Feiern geht‘s in die Diskothek.KATHRIN ZEILMANN

Artikel 2 von 2