Rollentausch mit Risiko

von Redaktion

Serienbösewicht Wolfgang Bahro („GZSZ“) ermittelt als Fallanalytiker im „Potsdam-Krimi“

„Der Potsdam-Krimi“: Wolfgang Bahro (re.) als Fallanalytiker Armin Weber und sein Kollege (Felix Kreutzer). © RTL+

Man kann Jo Gerner viel vorwerfen, aber nicht, dass er unflexibel sei. Der machtbewusste Jurist aus der RTL-Seifenoper „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ (GZSZ) hat mehr krumme Dinger gedreht, als man zählen kann. Und wenn es darum geht, dem Mann, der ihm Leben eingehaucht hat, etwas Freiraum zu verschaffen, ist Jo Gerner ebenfalls überraschend flexibel. Dann wird er eben mal bewusstlos. Wolfgang Bahro, der den „GZSZ“-Fiesling seit 1992 verkörpert, brauchte Zeit für eine ganz andere Rolle – im RTL-Krimi „Haveltod – Ein Potsdam-Krimi“, den RTL heute um 20.15 Uhr ausstrahlt, spielt er einen Fallanalytiker, der einen Mord aufklären will.

Mit der Drehtaktung, die eine tägliche Serie erfordert, war das aber unvereinbar. „Parallele Dreharbeiten für GZSZ und den Krimi hätte ich zeitlich nicht geschafft“, sagt Wolfgang Bahro. Die Lösung: Im „GZSZ“-Drehbuch wurde Gerner per Autounfall ins Koma geschickt. Für Bahro war der Weg frei. Schlechte Zeiten für Gerner, gute für ihn, könnte man sagen. Bahro, ein unglaublich netter Mensch mit Gentleman-Ausstrahlung und Faible für Monokel, bekommt so die Chance, sich dem Fernsehpublikum von einer neuen Seite zu zeigen – sozusagen mal auf der richtigen Seite des Gesetzes. Im Krimi spielt er den renommierten Fallanalytiker (Englisch: Profiler) Armin Weber, der es mit einem besonders grausamen Mord zu tun bekommt. Einer jungen Frau wurde die Zunge abgeschnitten. „Ich bin sehr gespannt, wie die Zuschauer reagieren werden“, sagt Bahro. „Ob sie mich in dieser neuen Rolle annehmen und sagen: ,Okay, Wolfgang Bahro als Profiler, das funktioniert‘ – oder ob sie eher denken: ,Ach, das ist doch Jo Gerner als Kriminalist‘.“ Ehrlicherweise sei beides möglich.

Tatsächlich gibt es nur wenige Schauspieler in Deutschland, die so mit ihrer Rolle identifiziert werden wie Bahro und sein Alter Ego, Gerner. Bisweilen wird der Schauspieler von Zuschauern um rechtliche Einschätzungen gebeten – im „GZSZ“-Universum ist Gerner schließlich „Deutschlands bester Anwalt“ (aber auch Gastronom, Immobilien-Tycoon, Medienmogul und Inhaber einer eigenen Fluggesellschaft namens „GernAir“).

Bahro ist weit davon entfernt, Gerner deshalb zu verteufeln – er liebt seine Rolle. Aber man merkt, dass er nicht als „One-Trick-Pony“ in Erinnerung bleiben will – als jemand, der nur eine Sache beherrscht. „Im Theater habe ich schon viele andere Rollen gespielt“, sagt er. Im Fernsehen habe er sich hingegen schon ein wenig festgelegt gefühlt. Der „Potsdam-Krimi“ fügt sich ein in eine Programmstrategie, mit der RTL sein Krimi-Angebot seit Jahren neu justiert. Unter der Marke „Tödlicher Dienst-Tag“, zu der nun auch der von der UFA Fiction produzierte „Haveltod“ aus Potsdam zählt, sind schon etliche regionale Krimis erschienen.JONAS-ERIK SCHMIDT

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