Mit ihrem Song „Fire“ möchte Sarah Engels „ein emotionales Zeichen für Empowerment, Zusammenhalt und Selbstbestimmung“ setzen, wie sie sagt. © SWR
Sie trägt den mit Abstand bekanntesten Namen in diesem Teilnehmerfeld: Sarah Engels ist eine von insgesamt neun Mutigen, die sich heuer dem Vorentscheid stellen, um dann – bestenfalls – für Deutschland beim Eurovision Song Contest zu starten. Für die 33-jährige Sängerin, die 2011 im Finale von „Deutschland sucht den Superstar“ stand und dort gegen ihren späteren Ehe- und inzwischen Ex-Mann Pietro Lombardi verlor, geht damit ein Traum in Erfüllung. „Wenn man mich gefragt hat, was ich mir in meiner Karriere noch erträumen würde, war der ESC immer vorn mit dabei“, sagt sie. „Man hat einfach auf den passenden Moment gewartet und den passenden Song.“ Der ist nun offensichtlich gefunden, sodass Sarah Engels am 28. Februar live in der ARD um den Einzug ins ESC-Finale kämpft, das am 16. Mai in Wien steigt. Ihr Lied trägt den Titel „Fire“. Allein der Gedanke, dass es klappen könnte, bereite ihr „schlaflose Nächte“, so die Kölnerin mit italienischen Wurzeln.
Moderiert wird der deutsche Vorentscheid von Barbara Schöneberger und Hazel Brugger. Sie sollen „das Publikum durch eine Live-Show voller musikalischer Überraschungen und emotionaler Entscheidungen“ führen, heißt es in einer Pressemitteilung der ARD. „Dieses Jahr wird der ESC 70“, so Schöneberger. „70 Jahre voller Glitzer, Drama und natürlich jeder Menge Hits, die man einfach mitsingen muss!“ Sie freue sich schon riesig, „beim deutschen Vorentscheid auf die allerbesten Momente, die größten Ohrwürmer und die absolut verrücktesten Outfits zurückzublicken“. ESC heiße schließlich auch: „Lachen, ein bisschen lästern und all die kleinen Skurrilitäten genießen!“ Und Brugger ergänzt: „Wenn es einer der neun Acts schafft, Barbara oder mich, uns zwei Quasselstrippen, sprachlos zurückzulassen, hat er meinen vollsten Respekt.”
Wer sind nun die Kandidaten neben Sarah Engels? Vor allem sind es Künstlerinnen und Künstler, die der breiten Masse noch nicht bekannt sein dürften. Etwa Bela (23) aus Berlin. Mit „modernen Beats“ erzähle er in seinem Song „Herz“ von Liebe, Selbstzweifeln und dem Mut, Nähe zuzulassen, kündigt die ARD an. Berlin ist ohnehin sehr stark vertreten im Vorentscheid. Auch Dreamboys The Band kommen aus der Hauptstadt: vier Singer-Songwriterinnen, die mit „warmen Harmonien und organischem Indie-Pop ihre Freundschaft und Kreativität“ feiern (ARD). Ihr Lied „Jeanie“ sei „eine kraftvolle Ode an Selbstvertrauen, Lebensfreude und innere Stärke“. Laura Nahr (25), ebenfalls aus Berlin, stehe mit akustischer Gitarre, Klavier und klarer Stimme für modernen Pop mit Tiefe. „In ,Wonderland‘ erzählt sie ehrlich vom Chaos des Erwachsenwerdens und der Suche nach Selbstfindung“, heißt es in der Mitteilung. Malou Lovis (26, Berlin) ist die Gewinnerin der 13. Staffel von „The Voice of Germany“ und verbinde in ihrem Song „When I’m with you“ emotionale Tiefe mit moderner Pop-Ästhetik.
Myle (25, Berlin) bringe dagegen „ehrlichen, gitarrengetragenen Pop voller Emotion und Hoffnung“ in die Runde. Sein Song „A OK“ sei nach einem persönlichen Austausch mit einem Fan entstanden und „ein musikalischer Hoffnungsschimmer für dunkle Zeiten“. Hinter Ragazzki (Überraschung: aus Berlin) steckt das Duo Marti Fischer (35) und David „Miirtek“ Starosciak (33), das Italo-Disco mit Polska-Pop verbinde – „laut, verspielt und visuell markant“.
Molly Sue ist 25 Jahre alt und kommt aus Laboe in Schleswig-Holstein. Die ARD erklärt: „Charismatisch, mit unverwechselbarer Stimme und emotionalem Power-Pop thematisiert Molly Sue in ,Optimist (Ha Ha Ha)‘, dass innere Stärke oft hinter einem Lächeln steckt.“ Wavvyboi (27, aus Liechtenstein) verbinde „mit Glitzer auf der Haut und verzerrter Gitarre in ,black glitter‘ vielschichtigen Sound mit künstlerischer Freiheit – jenseits von Genregrenzen“. Das Prozedere läuft am 28. Februar dann folgendermaßen: Eine 20-köpfige Jury wählt zunächst drei Acts in die Endrunde, aus denen das Publikum dann den Sieger bestimmt.
Im vergangenen Jahr gewann der österreichische Countertenor JJ das ESC-Finale im schweizerischen Basel. In diesem Jahr nehmen in Wien nur 35 Länder teil, so wenige wie seit mehr als 20 Jahren nicht. Wegen der Teilnahme Israels boykottieren die Niederlande, Spanien, Irland, Slowenien und Island den Wettbewerb.THY/DPA