„TATORT“-KRITIK

So viel Leere

von Redaktion

Schauspielerin Kim Riedle trägt den jüngsten Fall aus Stuttgart im Alleingang

Verzweifelt: Pony Hübner (Kim Riedle). © Linder/SWR

Es gibt Filme, die werden von einer einzigen Figur getragen. Im Schwarzwald-„Tatort“ war es unlängst die erst zehnjährige Hanna Heckt, die vielen Zuschauern auch nach 90 Filmminuten noch im Gedächtnis geblieben sein dürfte. Im gestern ausgestrahlten Fall war es Kim Riedle in der Rolle als Pony Hübner, die alle anderen an die Wand spielte, ohne dass man ihr unterstellen könnte, genau das zu wollen. Gegen sie wirkte selbst Theaterstar Hans Löw, der ihren Ehemann gab, erstaunlich blass. Die Kommissare Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) gerieten ohnehin zu Nebenfiguren, zu Zuschauern eines Beziehungs- und Familiendramas, das es in sich hatte.

Pony Hübner (was ein Name!) war einst ein gefeiertes It-Girl: an der Supermarktkasse entdeckt, von ihrem späteren Ehemann, einem einflussreichen Medienmanager, zum Star gemacht – und jetzt wieder fallen gelassen. Zu alt, zu Mutter, zu fertig. Frust, Verzweiflung, Hadern über den Bedeutungsverlust in der Öffentlichkeit, das Bedürfnis, gesehen zu werden, wenigstens vom eigenen Partner – all das spiegelt sich im Gesicht von Kim Riedle, der Autor Wolfgang Stauch starke (und viele) Sätze ins Drehbuch geschrieben hat. Was zu wenig Raum hat in der Geschichte (Regie: Friederike Jehn) ist die Trauer des Ehepaares um eines seiner Kinder. Der Tod der kleinen Tochter bildet den Ausgangspunkt für den Film, der zwar eine so dramatische wie überraschende Wendung nimmt, aber Verlust bleibt Verlust, und der wird hier nicht angemessen, ja unglaubwürdig knapp, thematisiert.

Alles in allem ein starker „Tatort“ aus Stuttgart, in dem sich die Ermittler zurücknehmen und einer Familie Raum geben, in deren teuer eingerichteter Villa vor allem eines herrscht: quälende Leere.S. THYSSEN

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