INTERVIEW

„Trump macht den Menschen Angst“

von Redaktion

ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen im Gespräch über den „König im Weißen Haus“

Mächtig und unberechenbar: US-Präsident Donald Trump. © Allison Robbert/AFP Pool/AP/dpa

Donald Trump hält die Welt in Atem: Seit seinem zweiten Amtsantritt vor einem Jahr überrascht der US-Präsident Freund und Feind mit seinen umstrittenen Entscheidungen, die alte Gewissheiten infrage stellen oder gleich ganz aus den Angeln heben. Wie tickt der mächtigste Mann der Welt, was treibt ihn an? Dieser Frage geht Auslandskorrespondent Elmar Theveßen in seiner Dokumentation „Donald Trump – König im Weißen Haus?“ nach, die heute um 20.15 Uhr im ZDF zu sehen ist. Der USA-Experte, der das ZDF-Studio in Washington leitet, analysiert in dem Beitrag das System Trump und die Folgen der oft sprunghaften Politik des Präsidenten.

Sie waren mit 30 Auftritten im vergangenen Jahr der Talkshow-König im deutschen Fernsehen. Wie kommt das?

Ich glaube, das hat vor allem damit zu tun, dass Donald Trump die Welt in Atem hält. Da braucht es natürlich jemanden, der Erklärungen liefert und Hintergründe und Zusammenhänge erläutert. Das macht sich zum Beispiel bei Markus Lanz immer ganz gut am Beginn einer Sendung, weil es für die anderen Gäste eine Grundlage für die Diskussion ist. Da wird meine Expertise, aber natürlich auch die von anderen Auslandskorrespondenten, gerne genutzt.

Also haben Sie Ihre neue Popularität hauptsächlich Donald Trump zu verdanken?

Da könnten Sie Recht haben (lacht). Trump macht vielen Menschen Angst, und deshalb hungern die Menschen danach, die Zusammenhänge zu verstehen. Vor allem welche Auswirkungen seine Politik auf uns in Deutschland und Europa hat, interessiert die Zuschauer.

Auch in Ihrer neuen Doku „Donald Trump – König im Weißen Haus?“ geht es um den US-Präsidenten. Mit welchem Fazit?

Ich glaube, dass Donald Trump jemand ist, der keinen größeren Plan verfolgt außer dem, seine Macht zu vergrößern. Außerdem will er sich selbst und seine Familie bereichern. Dabei gefährdet er nicht nur die amerikanische Demokratie, sondern auch die Weltordnung. Er nutzt aus, dass wir alle auf die großen Herausforderungen der letzten Jahre offenbar nicht die richtigen Antworten gefunden haben. So war der Weg frei für einen, der sich als starker Anführer versteht, der keinerlei Rücksicht auf alte Regeln, bewährte Gesetze und gültige Wertvorstellungen nimmt.

Würden Sie ihm jeglichen Idealismus absprechen?

Nein, weil es ihm schon auch darum geht, ein goldenes Zeitalter für Amerika, den Nahen Osten oder die Ukraine zu schaffen. Aber eben immer nur als Funktion seiner persönlichen Macht. Er möchte immer derjenige sein, der weiß, wie es besser geht und wie man es machen muss. Er will derjenige sein, der in jedem Fall bestimmt, wo‘s langgeht – auch bei positiven Entwicklungen.

Wie hat sich Ihre Arbeit als Auslandskorrespondent unter Trump geändert?

Noch haben wir Zugang zum Weißen Haus, er will ja immer ganz gern eine Bühne haben, um seine Ansichten vor Journalisten darzustellen. Wer dann eine kritische Frage stellt, wird dann gerne mal beleidigt oder beschimpft vom Präsidenten. Das haben eine ganze Reihe meiner Kollegen und Kolleginnen schon erlebt. Unmittelbare Repressalien von Seiten des Weißen Hauses gibt es zwar noch keine gegen Journalisten. Es gibt aber eine Wall of Shame, also eine „Wand der Schande“, auf der die Namen der in Ungnade gefallenen Journalisten verzeichnet werden.

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