„TATORT“-TIPP

Jugend in der Krise

von Redaktion

Der neue ARD-Krimi aus Bremen nimmt Leistungsdruck und Frust ins Visier

Selb (Luise Wolfram) fällt aus. © Radio Bremen (2)

Liv Moormann und Patrice Schipper (Jasna Fritzi Bauer und Tijan Njie) überbringen eine traurige Nachricht.

Nachdem Anni tot in der Nähe eines Nachtclubs aufgefunden wird, entfaltet sich vor den Bremer Kommissarinnen Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer) und Linda Selb (Luise Wolfram) eine Szenerie an einsam und prekär lebenden jungen Menschen. Wobei Selb den größten Teil des „Tatorts: Wenn man nur einen retten könnte“, den das Erste an diesem Sonntag um 20.15 Uhr ausstrahlt, von einem KDD-Kollegen „ersetzt“ wird: Nachdem die Kommissarin bei der Verfolgung eines Verdächtigen niedergeschlagen wird und fortan verletzt im Krankenhaus liegt, ermittelt Patrice „Prince“ Schipper (Tijan Njie) an Moormanns Seite.

Die beiden bilden ein ganz charmantes Team: Er, der lässige, gut aussehende und vom Leben verwöhnte Genießertyp, und sie, die ruppig-norddeutsche Ermittlerin mit dem stets leicht mürrischen Blick. Sehr schön die Szene, in der sie bei ihm zum Abendessen eingeladen ist und aus Versehen seine Licht- und Sound-Effekte für romantische Dates einschaltet – eine humorvoll-beiläufige Betonung ihrer Gegensätze.

Regelrecht vermissen tut man Selbs nerdige und leicht nervige Art ja nicht. Leider jedoch verabschiedet sich „Prince“ am Ende dieses Krimis, die Mordermittlung sei nichts für ihn. Es zieht ihn zurück zum Kriminaldauerdienst, zur Straße, da wo‘s „real“ ist. Was also bedeutete dieser vorübergehende Teamwechsel? Ein bisschen Auflockerung für ein beim Fernsehpublikum nicht sonderlich beliebtes Team, ein Testballon für personelle Wechsel? Die „Tatort“-Redaktion von Radio Bremen schreibt auf Anfrage, dass sie von ihrem Team überzeugt sei und es „keine Pläne“ gebe, dieses „auszutauschen“. Figuren wie „Prince“ würden „der Abwechslung wegen“ und „nur als zusätzliche Bereicherung“ eingeführt.

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