Schluss-Applaus: Sigi Zimmerschied nach seinem Brandner-Debüt am Samstag. © leic
Mit allen Mitteln: Der Brandner Kaspar will den Boanlkramer nicht begleiten. Daran lässt Sigi Zimmerschied auf der Bühne des Residenztheaters keinen Zweifel. © SANDRA THEN
A Hund is er scho, der Brandner Kaspar. Nicht nur, dass er mithilfe von Kerschgeist (reichlich!) und Falschspiel (hinterfotzig!!) dem Tod einige Jahre mehr, als ihm aufgesetzet wurde, aus dem Gerippe (gut genährt!) leiert. Nein! Es gibt den Sturschädel dreimal. Zumindest am Bayerischen Staatsschauspiel, in Philipp Stölzls gefeierter und permanent ausverkaufter Inszenierung „Gschichtn vom Brandner Kaspar“, dem neuen Stück von Franz Xaver Kroetz.
Im vergangenen Juni war Premiere am Residenztheater mit Günther Maria Halmer in der Titelrolle. Als Halmer erkrankte, sprang Felix von Manteuffel ein (wir berichteten). Da sein Sohn Florian den Tod spielt, sorgt diese Konstellation für einen besonderen Jauchzer; das nächste Mal sind die beiden im März zu sehen. Am Samstag komplettierte nun Sigi Zimmerschied das BrandnerTriumvirat. Es ist übrigens das erste Mal, dass er auf der Bühne des Staatsschauspiels zu erleben ist.
Eine Produktion, drei Besetzungen in einer Hauptrolle – da wird das Publikum theaternarrisch, und der Boanlkramer (ja, Kroetz schreibt ihn wie Franz von Kobell in seiner Erzählung ohne „d“) kommt sauber ins Schwitzen. Das freilich ist dem glänzend aufgelegten Florian von Manteuffel nicht anzumerken: Sein Gevatter bleibt eine Schau.
„Schon wieder ein Bayer, nimmt denn das kein Ende?“, lässt Kroetz seinen Petrus am Ende aufstöhnen. Ja! Und was für einer. Zimmerschied bringt einen neuen Klang in die Figur. Kein Geheimnis ist, dass er mit seinen 72 Jahren der jüngste der drei Brandner-Schauspieler ist: Felix von Manteuffel ist 80, Halmer 83. Der Passauer spielt mehr auf Angriff, die Hände gleich zu Beginn empört in die Hüften gestemmt. Vor allem beim großen Saufen und Karteln mit dem Tod ist das zu spüren: Sein Brandner mag ums Verrecken nicht mit, der kann und will unbedingt weiterleben. Da Zimmerschied ein gutes Stück kleiner als Manteuffel ist, wird noch offensichtlicher, welch Dreistigkeit es von seiner Figur ist, sich mit allen Mitteln gegen das Sterben zu wehren.
Zimmerschied legt bei seiner Gestaltung einen weiteren Schwerpunkt: Bei seinem Brandner hockt der Schalk im Nacken – da blitzen die Äuglein, wenn er den Boanlkramer tratzt. „A Gaudi muss sei“, heißt es schließlich im Text. Wenn aber Manteuffels Tod über den „Döner-Söder“ spottet, wie am Samstag, dann winkt Zimmerschied, der Kabarettist, nur müde ab. Dass es ihm freilich gelingt, zudem die Trauer, Wut und den Lebensfrust seiner Figur zu zeigen, nachdem Brandners Enkelin Seferl vom Stier totgetrampelt wurde, zeigt seine Qualitäten als Schauspieler.
Am Ende: Durchatmen bei Zimmerschied – und heftiger Jubel im Saal. Was sonst?MICHAEL SCHLEICHER
Nächste Vorstellungen
mit Sigi Zimmerschied am 24. und 25. Februar; am 12. und 20. März spielt Felix von Manteuffel;
Telefon 089/21 85 19 40.