Zwei großartige Frauen unterschiedlicher Generationen: Elisabeth Rass (li.) und Christina Matschoß. © max ott
Mit der Tür ins Haus zu fallen, gehört im Mathilde Westend – Münchens wohl kleinstem Theater – zum Programm. Gerade einmal 17 Plätze finden sich auf wenigen Quadratmetern, rote Plüschkissen inklusive, auf denen bereits ein rotes Schokoherz wartet. Als vorgezogenes, quasi valentinstägliches Schmankerl präsentiert sich „Als hätte das was mit Liebe zu tun“ – allerdings ausgerechnet nicht am Tag der Liebe selbst gespielt und doch ganz bei den berühmten fünf Buchstaben. Vordergründig verhandelt der Abend das Phänomen Ehe in all seinen Idealen und Abgründen: Achtzig Minuten wird gestritten, gelacht, versöhnt.
In Anlehnung an „Das Ende der Ehe“ der feministischen Aktivistin Emilia Roig hat sich Theresa Hanich, Regisseurin und Gründerin des Mathilde, intensiv mit dem Thema befasst und sich mit Elisabeth Rass und Christina Matschoß zwei großartige Frauen unterschiedlicher Generationen an Bord geholt. Diese liefern sich in rosaroter Mini-Küche mit Blumentapete ein unerbittliches Wortduell über die patriarchale Institution. Mindestens ebenso spannend wie das Dilemma der Figuren ist ihr Verhältnis als Mutter und Tochter zueinander. Trotz gegensätzlicher Positionen teilen sie Zweifel, Hoffnungen und Sehnsüchte – und stellen sich derselben Frage: Was hat Ehe eigentlich mit Liebe zu tun?
Mutter Hannah, ehemals erfolgreiche Professorin, ist kompromisslose Eheverweigerin. „Ich hasse die Ehe!“ sagt sie – und versteht sie nur als weitere Einladung zur Ausbeutung von Frauen unter dem Deckmantel bürgerlicher Ideale. Tochter Suna hingegen, die sich vehement gegen das „Mini-Me“ ihrer Mutter wehrt, hat sich heimlich verlobt: tatsächlich weniger aus Romantik als aus pragmatischer Notwendigkeit. Wie virulent Fragen von Ehe, Mutterschaft und Care-Arbeit noch immer sind – „Frauen halten den Laden am Laufen!“ – zeigt sich am überwiegend weiblichen Publikum und Produktionsteam. Doch auch der Name des Theaters selbst passt bestens zu dem Stück: Mathilde ist eine Hommage an die Großmutter der Gründerin, einst ebenfalls Schauspielerin. Geballte Frauenpower findet sich hier also auf kleinstem Raum – dass die meisten Folgevorstellungen des erfrischenden Theaterabends bereits ausverkauft sind, gönnt man dem ambitionierten Team von Herzen!ANNA BEKE
Nächste Vorstellungen
am 31. Januar sowie am 6., 7., 10. und 11. Februar; weitere Termine unter mathilde-westend.de.