„Tatort“-Kritik

Keine Angst vorm bösen Wolf

von Redaktion

Im Berliner Abschieds-Krimi von Corinna Harfouch lehrt einen das Drehbuch das Fürchten

Kommissare im Ausnahmezustand: Mark Waschke und Corinna Harfouch in „Gefahrengebiet“. © Conny Klein/rbb

Die gute Nachricht zuerst: Den Wolf trifft in diesem Fall nur eine Teilschuld. Eingewandert aus den Weiten Brandenburgs hat er sich lediglich ein wenig gelabt an der Leiche, die da im Berliner Grunewald zu Füßen des Teufelsbergs liegt. Fürchten muss man sich im „Tatort: Gefahrengebiet“ also vor den Menschen: denen, die das Verbrechen begangen und jenen, die sich diesen schwer aushaltbaren Schwachsinn für den Sonntagabend ausgedacht haben.

Nach drei Jahren und sechs Fällen hätte man Corinna Harfouch (71) als Kommissarin Susanne Bonard einen überzeugenderen Abschied gewünscht. Einen, in dem sie nicht während der laufenden Ermittlungen in einem Waldstück beschließt, in der Wildnis zu bleiben anstatt mit Kollege Robert Karow (Mark Waschke) aufs Revier zurückzukehren. Survival-Training statt Schnittchen und Sekt. Die paar Tage bis zum Ruhestand, in denen man das blutige Ableben eines Obdachlosen noch hätte klären können – geschenkt. „Das schaffen sie auch allein“, erklärt die Fast-Rentnerin munter.

Und so wandert die Kommissarin mit einer Überlebenstrainerin (Anne Ratte-Polle) durchs Gehölz, die von ihrem vorherigen Kunden (Nils Kahnwald) angesichts der bedrohlichen Lage verlassen wurde. Während Bonards bessere (Ermittler-)Hälfte Karow mit dem Survival-Schützling in den Großstadtdschungel zurückkehrt, um nach des Rätsels Lösung zu suchen, schläft die Ermittlerin unter freiem Himmel, lauscht Wolfsgeheul und jagt Fische mit dem Speer.

Wäre Mira Thiel noch in der Grundschule und nicht Regisseurin und Autorin dieses kruden Falls, man würde ihr wohlwollend eine blühende Fantasie bescheinigen. Denn Karow landet im Laufe des Films im Mini-Bunker des geflohenen Wildnis-Wanderers, der sich unterirdisch auf den Katastrophenfall vorbereitet. Da wird Sekt aus Mehrzweckbehältern gebechert und nackt über das Gesetz des Überlebens im Ernstfall philosophiert. Was man als Zuschauer hört, ist kein feines erotisches Knistern zwischen zwei Männern, sondern das Rascheln der Drehbuchseiten, in denen gedrechselte Sätze und eine gekünstelte Sexszene stehen.

Sicher, „Gefahrengebiet“ ist streckenweise schön gefilmt und schafft ein paar gelungene Parallel-Sequenzen zwischen urbaner und naturnaher Sinnsuche. Doch Ästhetik allein reicht nicht für ein gelungenes Krimierlebnis. Inhaltlich kann dieser Fall nicht überzeugen.ASTRID KISTNER

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