VORSCHAU

Ein Dorf voller Hass

von Redaktion

Der neue „Tatort: Das Böse in Dir“ des Saarländischen Rundfunks geht in die Tiefe

Was verrät das Überwachungsvideo über die Tat? Adam Schürk (Daniel Sträßer, v. li.), Pia Heinrich (Ines Marie Westernströer), Esther Baumann (Brigitte Urhausen) und Leo Hölzer (Vladimir Burlakov) ermitteln am Computer. © Meyer/dpa

Es gibt die Menschen, die mögen lieber den klassischen „Whodunit“-Krimi. Sie haben Spaß am Miträtseln. Und es gibt die anderen, die bevorzugen es eher psychologisch: Die genießen es, wenn die Spannung aus inneren Konflikten entsteht. Die „Privates“ erfahren wollen – am besten nicht nur von den Verdächtigen, sondern auch von den Kommissaren. Für diese Gruppe ist der neue „Tatort“ des Saarländischen Rundfunks ideal, den die ARD am Sonntag um 20.15 Uhr zeigt. Schon der Titel „Das Böse in Dir“ lässt ahnen: Es geht in die Tiefe.

Die Geschichte spielt in einem (fiktiven) Dorf namens Hohenweiler an der französischen Grenze, wo der Unternehmer Emil Feidt ermordet aufgefunden wird. Es ist der Heimatort von Hauptkommissarin Esther Baumann (Brigitte Urhausen), den sie vor 30 Jahren verlassen hat. Warum eigentlich? Weil hier purer Hass herrscht zwischen zwei Familien? Oder gab es private Gründe?

Wie auch immer. Schließlich geht es ja erst einmal um die Ermittlungen. Und da drängt sich der Eindruck auf, der Mord an Emil Feidt könnte mit dem ungeklärten Tod seiner Tochter Becky zusammenhängen, die vor fünf Jahren im Fluss ertrank. Bis heute steht die Frage im Raum: War es damals wirklich ein Unfall? Oder hat Claire Louis, Beckys einstige beste Freundin, sie getötet?

Die Kollegen Adam Schürk (Daniel Sträßer) und Leo Hölzer (Vladimir Burlakov) haben derweil genug damit zu tun, sich auf die spezielle Atmosphäre im Dorf und ihre besonderen Bewohner einzulassen. Zweifellos ein Pulverfass, das jeden Moment hochgehen kann, und in dem die Familien sprichwörtlich bis aufs Blut verfeindet sind. Schon eine neutrale Position zwischen beiden Seiten ist ungewöhnlich, eine Liebesbeziehung undenkbar. Auch Hauptkommissar Schürk hat da schnell den alten Streit zwischen den Familien Montague und Capulet aus „Romeo und Julia“ im Kopf. Aber macht man es sich bei der Suche nach einem Täter zu einfach, wenn man immer nur „die anderen“ im Blick hat?

Leos augenzwinkernde Bemerkung „Jetzt wird mir einiges klar“ enthält mehr Wahrheit als geahnt. Denn auch der Zuschauer, der einige der früheren sechs „Tatorte“ aus dem Saarland kennt, versteht irgendwann, warum Esther 30 Jahre nicht in ihrem Dorf war und heute so ist, wie sie ist: nicht nur mit Sinn für Gerechtigkeit, sondern eben manchmal auch sehr kühl und unzugänglich. „Im Grunde ihres Herzens ist sie jedoch auch empathisch“, sagt Brigitte Urhausen über ihre Figur. „Und sogar liebevoll, falls es jemandem gelingt, ihre harte Schale zu durchbrechen.“ Die Schauspielerin freut sich, dass nun endlich mal „ihre“ Kommissarin im Zentrum steht. „Dadurch habe ich sie viel besser kennengelernt.“ KATJA SPONHOLZ

Artikel 3 von 3